"Town in Ioannina, Epirus Greece"
Gelatinesilberabzug
rückseitig betitelt (Bleistift), Copyright- und Fotografenstempel
Ich beobachte. Ich versuche nicht, Menschen zu gefallen. Das Einzige, was mich an der Fotografie interessiert, ist der unmittelbare Aspekt. Da zu sein und präsent zu sein: „Peng!“ Es spielt keine Rolle, um welche Art von Ereignis es sich handelt, denn jedes Ereignis ist an sich wertvoll.
Henri Cartier-Bresson1
Henri Cartier-Bresson nutzte seine Philosophie des entscheidenden Moments – nach seinem bekannten Buch Images à la sauvette, the Decisive Moment – um flüchtige Augenblicke einzufangen, die zugleich die Stimmung, Kultur und die Charaktere der Menschen widerspiegeln. Jedes Bild erzählt eine eigene Geschichte – von einfachen Straßenszenen bis zu Momenten der Arbeit, Begegnung und Bewegung. Seine Bilder aus Griechenland, darunter die diese aus Ioannina, stehen exemplarisch für sein Interesse an unmittelbaren, authentischen Momenten, die nicht inszeniert sind. Die Fotografien bieten heute nicht nur einen visuellen Einblick in das Griechenland der frühen 1960er Jahre, sondern zeigen auch Cartier-Bressons Fähigkeit, Zeit und Ort in einem Bild festzuhalten.
Cartier-Bresson reiste insgesamt drei Mal nach Griechenland. Die erste war eine private Reise kurz nach seiner Heirat mit seiner ersten Frau, der Tänzerin Ratna Mohini, im Sommer 1937 nach Athen, Galaxidi, Delphi, Mykene, Spetses und Hydra und enthält nur zwei Aufnahmen aus Megara.
Seine zweite Reise unternahm er 1953, die sich in einem wichtigen Punkt unterschied: Auf Anraten von Teriand begleitete ihn Yiannis Tsarouchis als Reiseführer. Dadurch lernte er ein Athen kennen, das er allein kaum hätte entdecken können – die Hochburgen des Rebetiko-Gesangs, aber auch bedeutende Griechen jener Zeit wie Hadjikyriakos-Ghikas, Elytis und Spatharis. Die dreiwöchige Reise führte ihn hauptsächlich über den Peloponnes – nach Korinth, Loutraki, Mykene, Nafplio, Epidauros, Sparta, Gythio, Patras, Tripolis und Areopolis, aber auch nach Arachova, Galaxidi und Eleusis.
Schließlich arbeitete er 1961 mit der griechischen Fremdenverkehrszentrale als Botschafter für die Zeitschriften Vogue und Holiday zusammen und bereiste dabei Orte wie Meteora, Metsovo, Volos und Inseln wie Naxos, Sifnos und Santorin. Im August desselben Jahres verlängerte er sogar seinen Aufenthalt in Epidauros, um den Proben und der Aufführung von Keroubins „Medea“ mit Callas beizuwohnen, wo der Maler Bühnenbild und Kostüme signierte. Von dort stammt auch eine seltene Backstage-Aufnahme von Maria Callas und Yannis Tsarouchis.2
(Christoph Fuchs)
Anmerkung
1
Basil & Elise Goulandris Foundation, https://goulandris.gr/en/exhibition/henri-cartier-bresson (aufgerufen 1.3.2026)
2
vgl. Lifo, https://www.lifo.gr/culture/photography/oi-agnostes-fotografies-toy-henri-cartier-bresson-apo-tin-ellada-sto-idryma (aufgerufen 1.3.2026)

