"PISA (Dintorni) Colane – Viale con alberi."
(PISA (Umgebung) Coltane – Allee mit Bäumen)
Archiv-Nr. 39346
Gelatinsliberabzug
Fotograf, Titel und Jahr einkopiert
Aufnahme aus einem Konvolut touristischer Fotografien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, herausgegeben von italienischen Tourismusverbänden. Für die Bewerbung des Reiselandes wurden häufig hochwertige Arbeiten namhafter Ateliers genutzt, wie etwa der Brüder Alinari. Mit dem westdeutschen Wirtschaftswunder der 1950er Jahre wandelten sich diese Sehnsuchtsbilder zur Realität: Steigender Wohlstand und mehr Freizeit machten den Urlaub zum Statussymbol. Italien, insbesondere die Riviera und die Adria, wurde zum Sehnsuchtsort Nummer eins. Mitte der 1950er Jahre reisten bereits 4,5 Millionen Deutsche über die Alpen – der Beginn des modernen Massentourismus.1
Die baumbestandene Allee in Coltano bei Pisa ist ein charakteristisches Zeugnis für die klassische Kulturlandschaft der Toskana im frühen 20. Jhd. Die von dicht gewachsenen Pinien gesäumte Passage unweit des heutigen Naturparks Migliarino-San Rossore-Massaciuccoli besticht durch ihre ausgeprägte Tiefenwirkung und das Licht- und Schattenspiel auf dem unbefestigten Weg. Die ländliche Idylle nahe dem ehemaligen landwirtschaftlichen Landgut der Medici verkörpert das tradierte, naturnahe Sehnsuchtsbild der toskanischen Landschaft. Die Aufnahme dokumentiert zudem ein historisches Landschaftsbild vor den tiefgreifenden infrastrukturellen und landwirtschaftlichen Veränderungen der späteren Nachkriegsjahrzehnte.
Die Aufnahme stammt aus dem berühmten Studio Alinari, das im Jahr 1852 von den Brüdern Leopoldo, Romualdo und Giuseppe Alinari in Florenz gegründe wurde. Das Fotostudio gilt als das älteste und bedeutendste Unternehmen für Fotografie und Bilddokumentation weltweit. Die Institution erlangte weltweite Berühmtheit durch die systematische, handwerklich meisterhafte Dokumentation des italienischen Kultur- und Architekturerbes der Toskana. Ihre im späten 19. und frühen 20. Jhd. entstandenen Aufnahmen zeichnen sich durch eine herausragende Kontrastschärfe und präzise Bildkomposition aus. Die Bilder aus dem Hause Alinari prägten maßgeblich die visuelle Identität Italiens und fungierten über Jahrzehnte als zentrale Sehnsuchtsmotive für den internationalen Kulturtourismus.
(Christoph Fuchs)
Anmerkung
1
"Geteiltes Deutschland: Modernisierung. Bundesrepublik im Wandel. Tourismus", Lebendiges Museum online, Deutsches Historisches Museum, https://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-modernisierung/bundesrepublik-im-wandel/tourismus.html (aufgerufen 26.6.2026)




















































![S-3111, Achille Villani & Figli, "Ravenna. [Sar]cofagi che [la] tradizione [at]tribuiva [a Galla Pla]cidia, mer[avi]glio[samen]te i[ll]uminati. La lune[tta mostra s]una gra[ticola e il] martir[e S. Lorenzo]", 1950er](/y/images/Hauptansichten/S_3111_full.jpg)

