Inv. Nr.S-1802
KünstlerIrene Andessnergeb. 1954 in Salzburg, Österreich
Titel

"Marietta Robusti"

aus der Serie "Donne Illustre, Venedig"
Jahr2003
Technik

Sofortbild (Polaroid)

Bildgröße27,5 x 21,5 cm
Auflageunique
Signatur

Rückseitig signiert, betitelt und datiert

Kommentar

Marietta Robusti (1554-1590)
La Tintoretta
Jacopo Robusti wird Tintoretto (Färber) genannt. Seine, unter acht Kindern bevorzugte Lieblingstochter Marietta steckt er in Knaben- kleider, damit sie ihn überall hin begleiten – und damit viel lernen – kann. Marietta unterrichtet er im Zeichnen und Malen, trainiert sie – wie seine bei- den Söhne Domenico und Marco – für die Arbeit in seinem Atelier. Ab 1580 wird die Meister-Tochter für ihre Porträts berühmt, und in der Aristokratie ist es angesagt, „La Tintoretta“ Modell zu sitzen. Angebote, als Hofmalerin nach Spanien oder nach Österreich zu gehen, lehnt sie ihrem Vater zuliebe ab. Den Juwelier Jacopo d’ Augusta heiratet sie (1586) erst, als sich dieser bereit erklärt, unter dem Dach ihres Elternhauses zu leben. Nach 15 Jahren Arbeit in Tintorettos Atelier gilt ihre Maltechnik von der des Vaters als nicht mehr unterscheidbar, so dass ihr Werk nicht als eigenständig überleben wird. Erst 1920 entdeckt man in Tintorettos Bildern ihre „M“- bzw. „MR“-Signatur, so auch im Gemälde „Alter Mann mit Knaben“, das lange Zeit als Jacopo Tintorettos  bestes Porträt gelten soll. Als Marietta Robusti vier Jahre vor ihrem Vater und nach der Geburt ihres ersten Kindes stirbt, geht die Tintoretto-Produktion deutlich zurück, heißt es.

Donne Illustri
Caffè Florian am Markusplatz in Venedig: Im „Saal der berühmten Männer“ (Sala degli Uomini Illustri) hängen zehn Ölgemälde von Giulio Carlini (1826–1887). Dessen postum gemalte Porträts der berühmter Venezianer – von Marco Polo über Tizian bis Goldoni – konfrontiert Irene Andessner mit zehn Venezianerinnen, darunter der Stadt berühmteste Komponistin (Barbara Strozzi), Malerin (Rosalba Carriera) und teuerste Kurtisane (Veronica Franco), sowie die erste Doktorin (Elena Lucrezia Cornaro Piscopia) und die erste Frauenrechtlerin der Welt (Moderata Fonte). Mit dieser Intervention verwandelt sich die Sala degli Uomini Illustri in die Sala delle Donne Illustri (Salon der berühmten Frauen). Eine vexierbildartige Irritation: Von Maske, Garderobe, Licht, Dekoration und Bildausschnitt abgesehen, weichen Andessners Darstellungen von den historischen Bildreferenzen der zehn Frauenfiguren ab: Sie hat nicht die Haltung und Blicke der Frauen, sondern der Männer aus den zu überhängenden Porträts nachvollzogen. Damit ist das Selbstverständnis, die Präpotenz, der männlichen Pendants gebrochen.

Ein weiterer Raum, Saletta Liberty, erhält einen Leuchtkasten mit einem Fonte/Andessner-Ganzkörper-Fotoporträt und einem „Fonte“-Porträt in Öl auf Leinwand, für das Andessner im Atelier von Marinella Biscaro Modell gesessen hat.
„7 Gentildonne“: Im Vorfeld der Ausstellung beruft Andessner im Caffè Florians Herrensalon ein Treffen von sieben Italienerinnen ein – als zeitgenössische Interpretation von Moderata Fontes Streitgespräch „Das Verdienst der Frauen“ (Il Merito delle Donne), per Video dokumentiert und im Ausstellungskatalog wiedergegeben.
In der Fotoproduktion für das Venedig-Projekt entstehen zusätzlich Ganzkörper-Porträts, die die historisierenden (in der Rauminstallation nur in ovalen Büsten-Ausschnitten sichtbaren) Frauendarstellungen mittels Styling vollends in unsere Gegenwart transponieren. In diesen Bildern ist auch zu sehen, dass die Künstlerin den Kameraauslöser in der Hand hält, also – im Gegensatz zu früheren Produktionen – selbst das Bild auslöst, und zwar genau in dem Moment, in dem sie sich der jeweiligen Rolle innerlich so gewachsen fühlt, dass sie sich sicher ist, die Persönlichkeit der jeweiligen Vorbild-Frau perfekt zum Ausdruck zu bringen. Diese Arbeitsweise entspricht den historischen Venezianerinnen, die ihre Profession ebenfalls selbstbestimmt und selbstständig, unabhängig von Männern, entwickelt und gelebt haben. Die Ganzkörper-Selbstporträts sind in lebensgroßem Maßstab als Leuchtkästen ausgeführt.
Das Projekt „Donne Illustri“ findet, kuratiert von Stefano Stipitivich, im Rahmen des Kunstprogrammes des Caffè Florian statt. In der vor 15 Jahren von der Caféhausbesitzerin und Kunstsammlerin Daniela Gaddo Vedaldi gestarteten Ausstellungsreihe waren bisher Künstler wie Mimmo Rotella (1990), Fabrizio Plessi (1993 und 2001) und Luca Buvoli (1997) vertreten.

S-1802, "Marietta Robusti"
Irene Andessner, "Marietta Robusti", 2003
S-1802, Ansicht vorne
© Irene Andessner
S-1802, Rückseite
Irene Andessner, "Marietta Robusti", 2003
S-1802, Rückseite
S-0995, Irene Andessner, "Agnesina Morosini (9. Jhdt.)", 2003
Irene Andessner, "Agnesina Morosini (9. Jhdt.)", 2003
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© Irene Andessner
S-0996, Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo (1525 -1583)", 2003
Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo (1525 -1583)", 2003
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© Irene Andessner
S-0997, Irene Andessner, "Moderata Fonte (1555 -1592)", 2003
Irene Andessner, "Moderata Fonte (1555 -1592)", 2003
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© Irene Andessner
S-1761, Irene Andessner, "Agnesina Morosini (9. Jhdt.)", 2003
Irene Andessner, "Agnesina Morosini (9. Jhdt.)", 2003
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© Irene Andessner
S-1762, Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo (1525-1583)", 2003
Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo (1525-1583)", 2003
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© Irene Andessner
S-1763, Irene Andessner, "Moderata Fonte (1555-1592)", 2003
Irene Andessner, "Moderata Fonte (1555-1592)", 2003
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© Irene Andessner
S-1826, Irene Andessner, "Elena Lucrezia Cornaro-Piscopia", 2003
Irene Andessner, "Elena Lucrezia Cornaro-Piscopia", 2003
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© Irene Andessner
S-1827, Irene Andessner, "Agnesina Morosini", 2003
Irene Andessner, "Agnesina Morosini", 2003
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© Irene Andessner
S-1828, Irene Andessner, "Barbara Strozzi", 2003
Irene Andessner, "Barbara Strozzi", 2003
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© Irene Andessner
S-1829, Irene Andessner, "Catarina Cornaro", 2003
Irene Andessner, "Catarina Cornaro", 2003
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© Irene Andessner
S-1830, Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo", 2003
Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo", 2003
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© Irene Andessner
S-1831, Irene Andessner, "Elisabetta Querini-Valier", 2003
Irene Andessner, "Elisabetta Querini-Valier", 2003
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© Irene Andessner
S-1833, Irene Andessner, "Moderata Fonte", 2003
Irene Andessner, "Moderata Fonte", 2003
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© Irene Andessner
S-1834, Irene Andessner, "Rosalba Carriera", 2003
Irene Andessner, "Rosalba Carriera", 2003
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© Irene Andessner
S-1835, Irene Andessner, "Veronica Franco", 2003
Irene Andessner, "Veronica Franco", 2003
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© Irene Andessner