Inv. Nr.S-1800
KünstlerIrene Andessnergeb. 1954 in Salzburg, Österreich
Titel

"Cecilia Venier-Baffo"

aus der Serie "Donne Illustre, Venedig"
Jahr2003
Technik

Sofortbild (Polaroid)

Bildgröße27,5 x 21,5 cm
Auflageunique
Signatur

Rückseitig signiert, betitelt und datiert

Kommentar

Cecilia Venier-Baffo (1525-1583)
Die venezianische Sultanin

Um 1525 als uneheliche Tochter einer Affäre zwischen Angehörigen zweier venezianischer Adelsfamilien auf der Ägäischen Insel Paros geboren, wird Cecilia Venier-Baffo im Alter von zwölf Jahren vom Korsaren Barbarossa Hayr-ad-Din Pasha geraubt und Sultan Suleiman als Geschenk übergeben. Im Serail des Sultans wächst sie, nun Nûr Bânû (Frau des Lichts) genannt, zur Favoritin von dessen Sohn Selim heran, dem sie eine Tochter und einen Sohn – den späteren Thronfolger Selims II. – schenkt. Von Selim II. offiziell als seine Frau anerkannt, bleibt Nûr Bânû bis zur ihrem Tod die First Lady des Herrscherhauses – bis in die Regierungsepoche ihres Sohnes Murad III. Als Valide Sultana (Mutter des Sultans) setzt sie sich – im kritischen Klima der verlorenen Seeschlacht von Lepanto – für eine Venedig-freundliche Lobby im Sultanspalast ein und verhindert z.B. noch kurz vor ihrem Tod einen geplanten Angriff der türkischen Flotte auf das von Venedig gehaltene Kreta. Sie korrespondiert mit dem Dogen und mit Katharina von Medici, ihre „Schwiegertochter“ Safiye mit Elisabeth von England.  „Wer immer Gunst und Gnade von der Pforte sucht, dem steht es an, Gefallen bei der Mutter oder der Favoritin des Sultans zu finden, oder zumindest kein Missfallen zu erregen“, schreibt der Venedig-Botschafter Jacopo Saranzo 1581. Wie eine Frau venezianischen Geschlechtes einen derartig großen Einfluss auf den Sultan, den absolutistischen Despoten orientalischer Prägung, ausüben kann, versetzt die europäische Weltdiplomatie in Ehrfurcht und Staunen.

Donne Illustri
Caffè Florian am Markusplatz in Venedig: Im „Saal der berühmten Männer“ (Sala degli Uomini Illustri) hängen zehn Ölgemälde von Giulio Carlini (1826–1887). Dessen postum gemalte Porträts der berühmter Venezianer – von Marco Polo über Tizian bis Goldoni – konfrontiert Irene Andessner mit zehn Venezianerinnen, darunter der Stadt berühmteste Komponistin (Barbara Strozzi), Malerin (Rosalba Carriera) und teuerste Kurtisane (Veronica Franco), sowie die erste Doktorin (Elena Lucrezia Cornaro Piscopia) und die erste Frauenrechtlerin der Welt (Moderata Fonte). Mit dieser Intervention verwandelt sich die Sala degli Uomini Illustri in die Sala delle Donne Illustri (Salon der berühmten Frauen). Eine vexierbildartige Irritation: Von Maske, Garderobe, Licht, Dekoration und Bildausschnitt abgesehen, weichen Andessners Darstellungen von den historischen Bildreferenzen der zehn Frauenfiguren ab: Sie hat nicht die Haltung und Blicke der Frauen, sondern der Männer aus den zu überhängenden Porträts nachvollzogen. Damit ist das Selbstverständnis, die Präpotenz, der männlichen Pendants gebrochen.
Ein weiterer Raum, Saletta Liberty, erhält einen Leuchtkasten mit einem Fonte/Andessner-Ganzkörper-Fotoporträt und einem „Fonte“-Porträt in Öl auf Leinwand, für das Andessner im Atelier von Marinella Biscaro Modell gesessen hat.
„7 Gentildonne“: Im Vorfeld der Ausstellung beruft Andessner im Caffè Florians Herrensalon ein Treffen von sieben Italienerinnen ein – als zeitgenössische Interpretation von Moderata Fontes Streitgespräch „Das Verdienst der Frauen“ (Il Merito delle Donne), per Video dokumentiert und im Ausstellungskatalog wiedergegeben.
In der Fotoproduktion für das Venedig-Projekt entstehen zusätzlich Ganzkörper-Porträts, die die historisierenden (in der Rauminstallation nur in ovalen Büsten-Ausschnitten sichtbaren) Frauendarstellungen mittels Styling vollends in unsere Gegenwart transponieren. In diesen Bildern ist auch zu sehen, dass die Künstlerin den Kameraauslöser in der Hand hält, also – im Gegensatz zu früheren Produktionen – selbst das Bild auslöst, und zwar genau in dem Moment, in dem sie sich der jeweiligen Rolle innerlich so gewachsen fühlt, dass sie sich sicher ist, die Persönlichkeit der jeweiligen Vorbild-Frau perfekt zum Ausdruck zu bringen. Diese Arbeitsweise entspricht den historischen Venezianerinnen, die ihre Profession ebenfalls selbstbestimmt und selbstständig, unabhängig von Männern, entwickelt und gelebt haben. Die Ganzkörper-Selbstporträts sind in lebensgroßem Maßstab als Leuchtkästen ausgeführt.
Das Projekt „Donne Illustri“ findet, kuratiert von Stefano Stipitivich, im Rahmen des Kunstprogrammes des Caffè Florian statt. In der vor 15 Jahren von der Caféhausbesitzerin und Kunstsammlerin Daniela Gaddo Vedaldi gestarteten Ausstellungsreihe waren bisher Künstler wie Mimmo Rotella (1990), Fabrizio Plessi (1993 und 2001) und Luca Buvoli (1997) vertreten.

S-1800, "Cecilia Venier-Baffo"
Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo", 2003
S-1800, Ansicht vorne
© Irene Andessner
S-1800, Rückseite
Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo", 2003
S-1800, Rückseite
S-0995, Irene Andessner, "Agnesina Morosini (9. Jhdt.)", 2003
Irene Andessner, "Agnesina Morosini (9. Jhdt.)", 2003
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© Irene Andessner
S-0996, Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo (1525 -1583)", 2003
Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo (1525 -1583)", 2003
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© Irene Andessner
S-0997, Irene Andessner, "Moderata Fonte (1555 -1592)", 2003
Irene Andessner, "Moderata Fonte (1555 -1592)", 2003
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© Irene Andessner
S-1761, Irene Andessner, "Agnesina Morosini (9. Jhdt.)", 2003
Irene Andessner, "Agnesina Morosini (9. Jhdt.)", 2003
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© Irene Andessner
S-1762, Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo (1525-1583)", 2003
Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo (1525-1583)", 2003
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© Irene Andessner
S-1763, Irene Andessner, "Moderata Fonte (1555-1592)", 2003
Irene Andessner, "Moderata Fonte (1555-1592)", 2003
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© Irene Andessner
S-1826, Irene Andessner, "Elena Lucrezia Cornaro-Piscopia", 2003
Irene Andessner, "Elena Lucrezia Cornaro-Piscopia", 2003
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© Irene Andessner
S-1827, Irene Andessner, "Agnesina Morosini", 2003
Irene Andessner, "Agnesina Morosini", 2003
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© Irene Andessner
S-1828, Irene Andessner, "Barbara Strozzi", 2003
Irene Andessner, "Barbara Strozzi", 2003
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© Irene Andessner
S-1829, Irene Andessner, "Catarina Cornaro", 2003
Irene Andessner, "Catarina Cornaro", 2003
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© Irene Andessner
S-1831, Irene Andessner, "Elisabetta Querini-Valier", 2003
Irene Andessner, "Elisabetta Querini-Valier", 2003
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© Irene Andessner
S-1832, Irene Andessner, "Marietta Robusti", 2003
Irene Andessner, "Marietta Robusti", 2003
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© Irene Andessner
S-1833, Irene Andessner, "Moderata Fonte", 2003
Irene Andessner, "Moderata Fonte", 2003
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© Irene Andessner
S-1834, Irene Andessner, "Rosalba Carriera", 2003
Irene Andessner, "Rosalba Carriera", 2003
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© Irene Andessner
S-1835, Irene Andessner, "Veronica Franco", 2003
Irene Andessner, "Veronica Franco", 2003
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© Irene Andessner