Inv. Nr.S-1798
KünstlerIrene Andessnergeb. 1954 in Salzburg, Österreich
Titel

"Barbara Strozzi"

aus der Serie "Donne Illustre, Venedig"
Jahr2003
Technik

Sofortbild (Polaroid)

Bildgröße27,5 x 21,5 cm
Auflageunique
Signatur

Rückseitig signiert, betitelt und datiert

Kommentar

Barbara Strozzi (1619 – nach 1664)
Der weibliche Komponist
Im Taufregister von Santa Sofia ist nur der Name der Mutter Isabella Garzoni vermerkt. Isabella, die Haushälterin und Lebensgefährtin von Guilio Strozzi, der seine eigene Tochter Barbara adoptiert und ihre Mutter bis zur ihrer Volljährigkeit stellvertretend als Erbin einsetzt. Guilio Strozzi – selbst ein illegitimer, erst nachträglich anerkannter Sohn von Roberto Strozzi – ist Dichter, Librettist und als Mitglied der Accademia degli Incogniti Förderer der zeitgenössischen Musik. 1634 tritt Barbara Strozzis in dieser Privatakademie erstmals als Sängerin auf, begeistert Komponisten wie Nicolò Fontei, der ihr eine Reihe von Liedern widmet. 1637 gründete Guilio Strozzi eine eigene Akademie (Accademia degli Unisoni), die für die – auch (von Monteverdi-Schüler Francesco Cavalli) in Kompositionstechniken ausgebildete – Barbara zum ständigen Forum wird. Als Frau mit eigenständigen Interpretationen von Werken männlicher Komponisten oder gar selbst als Komponistin in Erscheinung zu treten, provoziert Neid, Spott und Denunziationen. Mit ihrer Gesangsausbildung passt sie ins Bild der Kurtisane, und das Porträt, das Bernardo Strozzi (nicht mit ihr verwandt) etwa 1635 von ihr malt, zeigt eine Musikerin, die von der dargestellten Offenherzigkeit unbeschadet, ihren Weg als Komponistin macht. Ab 1644 publiziert Barbara Strozzi ihre Kompositionen, bis 1659 erscheinen vier Bände, dazu eine Sammlung von Motetti (Sacra Corona). Sie spielt in der Liga der produktivsten Komponisten ihrer Zeit, schafft über 125 Einzelwerke in durchweg hoher Kompositionsqualität mit präziser, Tempi und Ornamentierungen  festlegender Durcharbeitung aller Musikstücke. Die Libretti kommen aus der Feder von Vater Strozzi. Privat pflegt sie mit Giovanni Paolo Vidman eine langjährige Beziehung, aus der drei Kinder hervor gehen, lebt jedoch Zeit Lebens im Haushalt ihres Vaters, zugleich unter dem Dach des Hauses, das der Familie ihres Lebenspartners gehört.

Donne Illustri
Caffè Florian am Markusplatz in Venedig: Im „Saal der berühmten Männer“ (Sala degli Uomini Illustri) hängen zehn Ölgemälde von Giulio Carlini (1826–1887). Dessen postum gemalte Porträts der berühmter Venezianer – von Marco Polo über Tizian bis Goldoni – konfrontiert Irene Andessner mit zehn Venezianerinnen, darunter der Stadt berühmteste Komponistin (Barbara Strozzi), Malerin (Rosalba Carriera) und teuerste Kurtisane (Veronica Franco), sowie die erste Doktorin (Elena Lucrezia Cornaro Piscopia) und die erste Frauenrechtlerin der Welt (Moderata Fonte). Mit dieser Intervention verwandelt sich die Sala degli Uomini Illustri in die Sala delle Donne Illustri (Salon der berühmten Frauen). Eine vexierbildartige Irritation: Von Maske, Garderobe, Licht, Dekoration und Bildausschnitt abgesehen, weichen Andessners Darstellungen von den historischen Bildreferenzen der zehn Frauenfiguren ab: Sie hat nicht die Haltung und Blicke der Frauen, sondern der Männer aus den zu überhängenden Porträts nachvollzogen. Damit ist das Selbstverständnis, die Präpotenz, der männlichen Pendants gebrochen.
Ein weiterer Raum, Saletta Liberty, erhält einen Leuchtkasten mit einem Fonte/Andessner-Ganzkörper-Fotoporträt und einem „Fonte“-Porträt in Öl auf Leinwand, für das Andessner im Atelier von Marinella Biscaro Modell gesessen hat.
„7 Gentildonne“: Im Vorfeld der Ausstellung beruft Andessner im Caffè Florians Herrensalon ein Treffen von sieben Italienerinnen ein – als zeitgenössische Interpretation von Moderata Fontes Streitgespräch „Das Verdienst der Frauen“ (Il Merito delle Donne), per Video dokumentiert und im Ausstellungskatalog wiedergegeben.
In der Fotoproduktion für das Venedig-Projekt entstehen zusätzlich Ganzkörper-Porträts, die die historisierenden (in der Rauminstallation nur in ovalen Büsten-Ausschnitten sichtbaren) Frauendarstellungen mittels Styling vollends in unsere Gegenwart transponieren. In diesen Bildern ist auch zu sehen, dass die Künstlerin den Kameraauslöser in der Hand hält, also – im Gegensatz zu früheren Produktionen – selbst das Bild auslöst, und zwar genau in dem Moment, in dem sie sich der jeweiligen Rolle innerlich so gewachsen fühlt, dass sie sich sicher ist, die Persönlichkeit der jeweiligen Vorbild-Frau perfekt zum Ausdruck zu bringen. Diese Arbeitsweise entspricht den historischen Venezianerinnen, die ihre Profession ebenfalls selbstbestimmt und selbstständig, unabhängig von Männern, entwickelt und gelebt haben. Die Ganzkörper-Selbstporträts sind in lebensgroßem Maßstab als Leuchtkästen ausgeführt.
Das Projekt „Donne Illustri“ findet, kuratiert von Stefano Stipitivich, im Rahmen des Kunstprogrammes des Caffè Florian statt. In der vor 15 Jahren von der Caféhausbesitzerin und Kunstsammlerin Daniela Gaddo Vedaldi gestarteten Ausstellungsreihe waren bisher Künstler wie Mimmo Rotella (1990), Fabrizio Plessi (1993 und 2001) und Luca Buvoli (1997) vertreten.

S-1798, "Barbara Strozzi"
Irene Andessner, "Barbara Strozzi", 2003
S-1798, Ansicht vorne
© Irene Andessner
S-1798, Rückseite
Irene Andessner, "Barbara Strozzi", 2003
S-1798, Rückseite
S-0995, Irene Andessner, "Agnesina Morosini (9. Jhdt.)", 2003
Irene Andessner, "Agnesina Morosini (9. Jhdt.)", 2003
mehr InfoS-0995, Ansicht vorne
© Irene Andessner
S-0996, Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo (1525 -1583)", 2003
Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo (1525 -1583)", 2003
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© Irene Andessner
S-0997, Irene Andessner, "Moderata Fonte (1555 -1592)", 2003
Irene Andessner, "Moderata Fonte (1555 -1592)", 2003
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© Irene Andessner
S-1761, Irene Andessner, "Agnesina Morosini (9. Jhdt.)", 2003
Irene Andessner, "Agnesina Morosini (9. Jhdt.)", 2003
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© Irene Andessner
S-1762, Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo (1525-1583)", 2003
Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo (1525-1583)", 2003
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© Irene Andessner
S-1763, Irene Andessner, "Moderata Fonte (1555-1592)", 2003
Irene Andessner, "Moderata Fonte (1555-1592)", 2003
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© Irene Andessner
S-1826, Irene Andessner, "Elena Lucrezia Cornaro-Piscopia", 2003
Irene Andessner, "Elena Lucrezia Cornaro-Piscopia", 2003
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© Irene Andessner
S-1827, Irene Andessner, "Agnesina Morosini", 2003
Irene Andessner, "Agnesina Morosini", 2003
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© Irene Andessner
S-1829, Irene Andessner, "Catarina Cornaro", 2003
Irene Andessner, "Catarina Cornaro", 2003
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© Irene Andessner
S-1830, Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo", 2003
Irene Andessner, "Cecilia Venier-Baffo", 2003
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© Irene Andessner
S-1831, Irene Andessner, "Elisabetta Querini-Valier", 2003
Irene Andessner, "Elisabetta Querini-Valier", 2003
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© Irene Andessner
S-1832, Irene Andessner, "Marietta Robusti", 2003
Irene Andessner, "Marietta Robusti", 2003
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© Irene Andessner
S-1833, Irene Andessner, "Moderata Fonte", 2003
Irene Andessner, "Moderata Fonte", 2003
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© Irene Andessner
S-1834, Irene Andessner, "Rosalba Carriera", 2003
Irene Andessner, "Rosalba Carriera", 2003
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© Irene Andessner
S-1835, Irene Andessner, "Veronica Franco", 2003
Irene Andessner, "Veronica Franco", 2003
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© Irene Andessner