"At the Pagoda"
C-Print auf Karton
Etikett mit Titel und Fotograf, Ausstellungsnotizen auf Kartonrückseite
Mit hoher Wahrscheinlichkeit entstand diese Aufnahme in der Chùa Bà Thiên Hậu (Thiên-Hậu-Pagode) im chinesisch geprägten Stadtteil Chợ Lớn in Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt). Das um 1760 von kantonesischen Einwanderern errichtete Heiligtum ist der Meeresgöttin Mazu gewidmet und zählt zu den ältesten und bedeutendsten Tempelanlagen Vietnams.
Das Bild wird maßgeblich durch die monumental im Raum schwebenden Räucherspiralen – im Vietnamesischen als Nhang vòng oder Nhang khoanh bezeichnet – geprägt. Diese werden von Gläubigen als Opfergabe gestiftet, oft mit kleinen roten Wunschzettelchen (Cầu an) versehen, und brennen über Tage oder Wochen hinweg langsam von innen nach außen ab. Nach fernöstlichem Glauben dient der stetig aufsteigende Rauch als sakrale Brücke, die Gebete und Dankbarkeit ins Reich der Ahnen und Götter trägt. Die Architektur der Pagode, geprägt von offenen, lichtdurchfluteten Innenhöfen, fängt den dichten Rauch auf und verleiht dem Raum seine mythische Tiefenwirkung.
In Nguyễn Ngọc Hạnhs Arbeit verdichtet sich das Zusammenspiel aus traditioneller Zeremonie, historischer Architektur und meisterhafter Lichtregie zu einem eindrucksvollen Dokument des spirituellen Lebens im Saigon der 1960er-Jahre.
(Christoph Fuchs)

