"Alm-öhi, Berlin"
pigmentbasierter Tintenstrahldruck auf Barytpapier
rückseitig signiert (Bleistift)
Ein Mann mit langem weißen Bart tritt aus einer dichten Rauchwolke hervor, den Arm weit ausgestreckt, fast als würde er etwas beschwören oder in eine unsichtbare Richtung weisen. Seine Augen sind geschlossen, sein Gesicht wirkt beinahe euphorisch, als würde er für einen Moment völlig in seinem eigenen Erleben aufgehen. Hinter ihm bleibt die konkrete Situation nur fragmentarisch erkennbar: Teile einer Maschine, weitere Körper und Gegenstände lösen sich im Rauch auf. Die starke Schwarz-Weiß-Kontrastierung lässt den Rauch beinahe aufleuchten und setzt die Figur zugleich in ein Spannungsfeld zwischen Realität und Erscheinung.
Das Bild steht exemplarisch für Benita Suchodrevs intuitive Arbeitsweise. Ihre Fotografien entstehen aus unmittelbaren Begegnungen und Beobachtungen in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Räume, ohne einer vorgegebenen Geschichte oder zeitlichen Ordnung zu folgen. Erst im späteren Editieren treten unerwartete Beziehungen und mögliche Bedeutungen hervor. Dabei interessiert Suchodrev das Unvorhersehbare und Widersprüchliche des Lebens: Schönheit und Groteske, Intimität und Distanz, Verletzlichkeit und Stärke, das Alltägliche und das Rätselhafte. So bewegt sich auch dieses Bild zwischen Dokument und Allegorie, zwischen dem Sichtbaren und dem Geheimnisvollen. Die dargestellte Szene bleibt offen – sie lässt Raum für Assoziationen, ohne sich auf eine eindeutige Erzählung festzulegen.
(Benita Suchodrev)
