Ansicht vorne
Inv. Nr.S-3125
KünstlerMona Kuhngeb. 1969 in São Paulo, Brasilien
Titel

"Yoanis 2"

Jahr1997
Technik

Gelatinesilberabzug

Bildgröße38,1 x 37 cm
Auflage1/25
Kommentar

In dieser frühen, eindringlichen Schwarz-Weiß-Arbeit verdichtet Mona Kuhn die menschliche Anatomie zu einer sinnlichen, beinahe skulpturalen Formstudie. Anstatt den Körper im Ganzen abzubilden, wählt die Künstlerin eine extreme Nahsicht. In Kuhns Frühwerk spielen Hände eine zentrale Rolle – sie fungieren als Bedeutungsträger und Ausdrucksmittel von Intimität. Eine Hand umschließt einen dunklen Stein und ruht im Bereich der Schulter- und Halspartie des Modells, ähnlich der Ausgangsposition eines Kugelstoßers.
Mit der strengen Komposition und plastischen Lichtführung steht das Werk in der Tradition der modernen Fotografie der 1920er und 1930er Jahre. Erinnert die Gegenüberstellung von Hand und Naturstein an die meisterhaften Formstudien eines Edward Weston oder einer Imogen Cunningham, so unterwandert Kuhn deren oft Distanz schaffende Sachlichkeit. Sie verbindet die bildhauerische Strenge der klassischen Moderne mit einer zeitgenössischen, Wärme ausstrahlenden Intimität.
Typisch für Mona Kuhns künstlerischen Ansatz ist die Begegnung auf Augenhöhe. Die von ihr Porträtierten sind keine passiven Objekte eines voyeuristischen Blicks, sondern selbstbewusste Partner im Gestaltungsprozess. In Yoanis 2 gelingt es Kuhn, den menschlichen Körper frei von Erotisierung als ein Element der Natur zu begreifen – als reine Form, die Verletzlichkeit und Stärke zugleich ausstrahlt.

 


(Christoph Fuchs)

 

S-3125, "Yoanis 2"
Mona Kuhn, "Yoanis 2", 1997
S-3125, Ansicht vorne
© Mona Kuhn
S-3125,
Mona Kuhn, "Yoanis 2", 1997
S-3125