"Chiostro della Chiesa di Santo Stefano"
Gelatinesilberabzug
rückseitiger Stempel
Aufnahme aus einem Konvolut touristischer Fotografien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, herausgegeben von italienischen Tourismusverbänden. Für die Bewerbung des Reiselandes wurden häufig hochwertige Arbeiten namhafter Ateliers genutzt, wie etwa der Brüder Alinari. Mit dem westdeutschen Wirtschaftswunder der 1950er Jahre wandelten sich diese Sehnsuchtsbilder zur Realität: Steigender Wohlstand und mehr Freizeit machten den Urlaub zum Statussymbol. Italien, insbesondere die Riviera und die Adria, wurde zum Sehnsuchtsort Nummer eins. Mitte der 1950er Jahre reisten bereits 4,5 Millionen Deutsche über die Alpen – der Beginn des modernen Massentourismus.1
Der Kreuzgang von Santo Stefano (auch bekannt als Die sieben Kirchen oder Sette Chiese) in Bologna ist eine faszinierende romanische Klosteranlage. Das im 11. und 12. Jhd. errichtete, zweistöckige Geviert besticht durch seine filigrane Architektur aus ziegelroten Backsteinbögen und paarweise angeordneten Marmorsäulen auf dem oberen Umgang. Ein absoluter Höhepunkt ist die markante Ecksäule im Vordergrund, die sich durch ihre aufwendig gedrehte, spiralförmige Kannelierung von den glatten Säulenreihen abhebt. Das harmonische Zusammenspiel aus der hölzernen Dachkonstruktion, den fein skulptierten Kapitellen und dem kontrastreichen Licht- und Schattenspiel verkörpert das tradierte Sehnsuchtsbild kontemplativer klösterlicher Architektur.
Das im Jahr 1914 von Achille Villani in Bologna gegründete Fotostudio A. Villani & Figli ist ein wichtiges Archiv für Architektur- und Dokumentarfotografie in Italien. Die Institution erlangte Berühmtheit durch die handwerklich meisterhafte und systematische Erfassung des Kunst- und Kulturschatzes der Emilia-Romagna. In den 1950er Jahren fungierte das Studio als zentraler Partner der provinziellen Tourismusverbände (EPT) und prägte mit seinen kontrastreichen, präzise komponierten Aufnahmen maßgeblich die visuelle Bewerbung Norditaliens. Das unschätzbare historische Erbe des Ateliers mit über 670.000 Fotografien wurde im Jahr 1988 in das zentrale Bildarchiv der Fratelli Alinari in Florenz überführt.
Das Studio Villani hatte seinen Sitz bezeichnenderweise genau in derselben Straße (Via Santo Stefano 17) als das Kloster in Bologna.
(Christoph Fuchs)
Anmerkung
1
"Geteiltes Deutschland: Modernisierung. Bundesrepublik im Wandel. Tourismus", Lebendiges Museum online, Deutsches Historisches Museum, https://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-modernisierung/bundesrepublik-im-wandel/tourismus.html (aufgerufen 26.6.2026)






















































![S-3111, Achille Villani & Figli, "Ravenna. [Sar]cofagi che [la] tradizione [at]tribuiva [a Galla Pla]cidia, mer[avi]glio[samen]te i[ll]uminati. La lune[tta mostra s]una gra[ticola e il] martir[e S. Lorenzo]", 1950er](/y/images/Hauptansichten/S_3111_full.jpg)
