"Ravenna. Mausoleo di Teodorico"
Gelatinesilberabzug
rückseitiger Stempel
Aufnahme aus einem Konvolut touristischer Fotografien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, herausgegeben von italienischen Tourismusverbänden. Für die Bewerbung des Reiselandes wurden häufig hochwertige Arbeiten namhafter Ateliers genutzt, wie etwa der Brüder Alinari. Mit dem westdeutschen Wirtschaftswunder der 1950er Jahre wandelten sich diese Sehnsuchtsbilder zur Realität: Steigender Wohlstand und mehr Freizeit machten den Urlaub zum Statussymbol. Italien, insbesondere die Riviera und die Adria, wurde zum Sehnsuchtsort Nummer eins. Mitte der 1950er Jahre reisten bereits 4,5 Millionen Deutsche über die Alpen – der Beginn des modernen Massentourismus.1
Das Mausoleum des Theoderich in Ravenna ist ein einzigartiges Monument der spätantiken Architektur. Das um das Jahr 520 n.u.Z. als eigene Grabstätte des ostgotischen Königs Theoderich des Großen errichtete Bauwerk besticht durch seine zweistöckige, zehneckige Struktur aus weißem Istrianer Kalkstein. Ein absoluter Höhepunkt und ein ungelöstes Rätsel der antiken Ingenieurskunst ist das monumentale, monolithische Dach. Die aus einem einzigen, rund 230 Tonnen schweren Steinblock gehauene Kuppel wurde ohne Mörtel auf den Oberbau aufgesetzt. Das Bauwerk, das seit 1996 zum UNESCO-Welterbe zählt, verkörpert in seiner wuchtigen, monolithischen Ästhetik die Verschmelzung römischer Bautradition mit germanischen Einflüssen.
Das im Jahr 1914 von Achille Villani in Bologna gegründete Fotostudio A. Villani & Figli ist ein wichtiges Archiv für Architektur- und Dokumentarfotografie in Italien. Die Institution erlangte Berühmtheit durch die handwerklich meisterhafte und systematische Erfassung des Kunst- und Kulturschatzes der Emilia-Romagna. In den 1950er Jahren fungierte das Studio als zentraler Partner der provinziellen Tourismusverbände (EPT) und prägte mit seinen kontrastreichen, präzise komponierten Aufnahmen maßgeblich die visuelle Bewerbung Norditaliens. Das unschätzbare historische Erbe des Ateliers mit über 670.000 Fotografien wurde im Jahr 1988 in das zentrale Bildarchiv der Fratelli Alinari in Florenz überführt.
(Christoph Fuchs)
Anmerkung
1
"Geteiltes Deutschland: Modernisierung. Bundesrepublik im Wandel. Tourismus", Lebendiges Museum online, Deutsches Historisches Museum, https://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-modernisierung/bundesrepublik-im-wandel/tourismus.html (aufgerufen 26.6.2026)





















































![S-3111, Achille Villani & Figli, "Ravenna. [Sar]cofagi che [la] tradizione [at]tribuiva [a Galla Pla]cidia, mer[avi]glio[samen]te i[ll]uminati. La lune[tta mostra s]una gra[ticola e il] martir[e S. Lorenzo]", 1950er](/y/images/Hauptansichten/S_3111_full.jpg)

