Ansicht vorne
Inv. Nr.S-3087
KünstlerGünther Selichargeb. 1960 in Linz, Österreich
Titel

"Who’s Afraid of Blue, Red and Green? – Detail"

Jahr2017
Technik

pigmentbasierter Tintenstrahldruck auf Hahnemühle Photo Rag extra bright, 308 g/m2

Bildgröße23 x 31 cm
Auflagespecial edition 18/39 (13 in b
Signatur

rückseitig betitelt, datiert, signiert und nummeriert (Bleistift)

Kommentar

Who’s Afraid of Blue, Red and Green?, eine nicht abgeschlossene Werkserie, die Selichar 1990 in Angriff nahm, diskutiert die elementarsten Bedingungen der Bilder – der mediatisierten und gemalten Bilder gleichermaßen. Dabei operiert der Künstler mit dem Wechselspiel von Analogie und Abweichung.1 Who’s Afraid of Blue, Red and Green? referiert auf ein Werk des Colorfield-Painters Barnett Newman. Der hatte, um dem modernistischen Dogma der De-Stijl-Künstler eine befreite Farbwirkung entgegenzusetzen, Ende der sechziger Jahre eine aus vier Bildern bestehende Werkserie mit dem Titel Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue? gemalt, Bilder in zunehmenden Formaten, welche die Primärfarben der Malerei in vertikalen Streifen miteinander konfrontierten. Die von Selichar praktizierte Abänderung leitet sich aus den Rahmenbedingungen des Fernsehbildes respektive der Primärfarben anderer Massenmedien wie der Farbfotografie, des Videos und des Films her. Während sich das gemalte Bild, auf das Newman referiert, aus "reinen" Farben zusammensetzt, konstituiert sich das Fernsehbild mit Hilfe des gemischten Grüns. Hier die Auratisierung der Malerei durch reine Farben, dort die Bastardisierung des Fernsehens durch, malerisch gesprochen, Mischfarben. (…)
Als zweites Analogon fungieren die Bild- und Farbfeldproportionen, die Selichar in dieser Werkszene verwendet: Vom ersten standardisierten Fernsehbildformat, zu einem virtuellen Panorama-TV-Format hin zum Cinemascope-Format finden sich alle Bildgrößen, die dem Gegenwartsauge als normierte Rahmenverhältnisse zur Verfügung stehen. Mit dem Sichtbarmachen der Alltagsperspektivität unterwandert der Künstler nicht nur das ästhetische Paradigma des goldenen Schnittes, des idealisierten weil "natürlichen" Formatverhältnisses sondern stellt auch fest, in welchem Maße sich die neuen Medien von den Wurzeln des Bildes entfernt haben. (…)
(Christoph Doswald)2

 

 

Anmerkungen

1
Uli Bohnen, „Between and Across the Media, Naturally!“, in: Uli Bohnen, Christoph Doswald, Walter Seitter, Günther Selichar. Suchbilder, Salzburg/València 1993/94, S. 14.

2
Christoph Doswald, „Der Ursprung des Bildes. Günther Selichar“, in: Gerhard Finckh (Hrsg.), Positionen. Reisen an die Grenzen der Malerei, Essen 1996, und in: Norbert Pfaffenbichler, Sandro Droschl, Abstraction now, Graz 2004.

S-3087, "Who’s Afraid of Blue, Red and Green? – Detail"
Günther Selichar, "Who’s Afraid of Blue, Red and Green? – Detail", 2017
S-3087, Ansicht vorne
© Günther Selichar / Bildrecht, Wien
S-3087,
Günther Selichar, "Who’s Afraid of Blue, Red and Green? – Detail", 2017
S-3087