"Albrechtsrampe"
Gelatinesilberabzug
vorderseitig Prägestempel, rückseitig Copyright-Stempel
Die Aufnahme des bekannten österreichischen Fotografen Rudolf Koppitz zeigt einen besonders spannenden Blick quer über den Albertinaplatz in Wien.
Im Hintergrund zu sehen das Reiterstandbild von Erzherzog Albrecht, ein österreichischer Feldmarschall der k. u. k. Armee, der durch den Sieg in der Schlacht bei Custozza im Jahr 1866 berühmt wurde. Die Statue steht direkt vor der Albertina, zehn Meter über dem Straßenniveau auf der Augustinerbastei (auch Kärntner Bastei), einem Teil der ehemaligen Stadtbefestigung. Links im Vordergrund das Mozart-Denkmal von hinten. Das Denkmal wurde 1896 im Beisein des Kaisers Franz Joseph I. enthüllt. Zuvor wurde jedoch heftig um das Denkmal gestritten, einerseits um die Auftragsvergabe und andererseits um den Aufstellungsort. Im Wiener Satiremagazin Floh erschien eine Karikatur mit einer Ermahung Mozarts: "Aber wegen mir, dem Meister der Harmonie, a solche Disharmonie! Kinder, wenn's streiten wollts, so geht's woanders hin, da is net amal Platz für a Monument, no viel weniger zum Raufen!"1 Dies war eine Anspielung auf den Albertinaplatz, der bis heute mehr Straßenkreuzung als Platz ist. Das Mozart-Denkmal wurde 1945 durch Bomben teilweise zerstört und abgetragen und steht heute im Burggarten.
Koppitz wählte eine sehr ungewöhnlich tiefe Perspektive, die sich genau auf der Höhe des Café Mozart hinter dem Denkmal befindet. Er fotografierte die Szene vermutlich genau aus der Sichtweise der Intellektuellen, die im Kaffeehaus saßen und täglich über die städtebauliche Enge und die unglückliche Platzierung des Denkmals spotteten. Koppitz war ein Meister des Piktorialismus. Er nutzte die Fotografie nicht für einfache Schnappschüsse, sondern komponierte Bilder wie Gemälde. Koppitz fängt hier visuell genau das ein, was das Satiremagazin Floh bemängelte. Das Mozart-Denkmal wirkt von der herrschaftlichen Rampe und dem riesigen Reiterstandbild regelrecht erdrückt und in den Schatten gestellt.
(Christoph Fuchs)
Anmerkung
1
Der Floh, Jg. 23, Nr. 13, Titelblatt, 29.3.1891 (ÖNB-ANNO)


