"Rebekka"
Heliogravüre
Der deutscher Schriftsteller, Kunsthistoriker und Verleger Prof. Dr. Julius Zeitler beschreibt Frank Eugene (Smith) in der Zeitschrift Die Schönheit (Heft 12, Jg. 16, 1920) als einen herausragenden Künstlerfotografen, der die Grenzen herkömmlicher Aktdarstellung weit überwindet. Traditionelle Modelle erfüllen selten das Ideal künstlerischer Freiheit, da sie meist von Scham, Konventionen und angezogener Körperlichkeit geprägt sind. Künstler wie Klinger oder Hodler mussten daher ihre Modelle stets nach eigenem Ideal umformen.
Eugene revolutionierte die Aktfotografie, indem er Modelle nicht bloß abbildete, sondern sie durch Posen, Lichtführung und Komposition zu lebendigen, künstlerischen Bildern formte. Schon seine Münchener Arbeiten, die den gleichen Körper in unterschiedlichen Muskelspannungen zeigten, wurden von zeitgenössischen Künstlern wie Albert von Keller und Fritz August von Kaulbach hoch geschätzt.
Nach seinem Ruf an die Leipziger Akademie (1911) verlagerte Eugene sein Schaffen vom Akt ins "Bildmäßige". Seine Modelle – häufig keine professionellen Aktmodelle – wirken durch seine Technik völlig natürlich, lebendig und frei von inszenierter Pose. Er kombiniert malerisches Formgefühl, Raumverständnis, Lichtbeherrschung und psychologisches Einfühlungsvermögen, wodurch jedes Bild eine eigene Poesie, Ausdruckskraft und Harmonie erhält.
Seine Aktbilder sind keine bloßen Abbildungen, sondern "blühende Menschenleiber": sie verbinden körperliche Schönheit mit innerer Wahrhaftigkeit, ohne theatralische Übertreibung. Eugene adelt selbst unvollkommene Körper, schafft vibrierende Linienrhythmen und Lichtpoesie und erreicht so eine zeitlose, griechisch inspirierte Idealität. Er ist daher weit mehr als ein Fotograf – er ist ein "Körperbildner", der das Wesen seiner Modelle künstlerisch zur Vollendung bringt.
(Julius Zeitler)
Text und Bilder in der Zeitschrift Die Schönheit (Heft 12, Jg. 16) (PDF)


















