Ansicht vorne
Inv. Nr.S-2369
KünstlerFritz Simakgeb. 1955 in Wien, Österreich
Titel

"Trocknende Tafel"

aus der Serie "Kontaktabzüge"
Jahr1973
Technik

Gelatinesilberabzug, seleniumgetont

Bildgröße18 x 22,7 cm
Auflageex. art.
Signatur

rückseitig signiert, datiert, betitelt und nummeriert (Bleistift)

Kommentar

In der in der Trocknenden Tafel bleibt der Standpunkt der Kamera unverändert, Simak bildet den Prozess des Trocknens einer nassen Tafel ab. Er dokumentiert damit die Zeit – im Gegensatz zu anderen Arbeiten der Serie Kontakabzüge wie z.B. der Zaun Sequenz in der Simak die Zeit im Raum entfaltet durch die Bewegung seines Standpunktes.
(Christoph Fuchs)

 

Jahrelang schaut man während des Unterrichts auf die Schultafel, visuell richtig spannend wird es aber erst, wenn es keinen augenfälligen Grund dazu gibt: Sobald die Tafel mit einem nassen Schwamm gelöscht wird, entstehen beim Trocknungsvorgang abstrakte, sich verändernde Formen. Aus der mit Kreide beschriebenen hellen Fläche wird zunächst eine dunkle, nasse Fläche und schrittweise eine weiß-graue.
Diesen Vorgang wollte ich einmal zur Gänze festhalten. Ein Klassenkamerad fragte, was ich da zu machen beabsichtigte, zeigte Verständnis für mein Vorhaben und löschte die Tafel für mich.
Das Ergebnis war nicht schlecht, aber ich hatte zu wenige Bilder gemacht, die Reflexe der Klassenbeleuchtung störten mich, und die Notenlinien in der oberen Tafelhälfte (ein Muss am Realgymnasium für Studierende der Musik) ebenfalls. So wartete ich an einem anderen Tag, bis nach der letzten Stunde alle gegangen waren, denn ich wollte nicht, dass mich jemand beobachtete, der vielleicht kein Verständnis für mein Tun gehabt oder mich vielleicht sogar für leicht verrückt gehalten hätte. Zunächst beschrieb ich die Tafel mit viel Kreide, um sie anschließend möglichst schlampig und mit relativ nassem Schwamm zu löschen. Die Zeit vom nassen bis zum völlig trockenen Zustand habe ich gemessen und durch 36 dividiert. So ergab sich der Zeitabstand zwischen den einzelnen Aufnahmen.
Ich wiederholte das Prozedere von Beginn an und brauchte nur mehr im richtigen Abstand 36 Mal den Auslöser zu betätigen, den entwickelten Film dann in 6er-Streifen zu schneiden und einen Kontaktabzug herzustellen.
Die Grundidee – nämlich die Kamera aufstellen, den Auslöser betätigen, und alles Weitere macht sich von selbst – habe ich von Andy Warhol. Ausschnitte seines Films Empire (1965) haben mich schon früh fasziniert.
(Fritz Simak, Photographs in the Key of Life, Salzburg 2025, S. 244)

S-2369, "Trocknende Tafel"
Fritz Simak, "Trocknende Tafel", 1973
S-2369, Ansicht vorne
© Fritz Simak / Bildrecht, Wien
S-2369, Rückansicht
Fritz Simak, "Trocknende Tafel", 1973
S-2369, Rückansicht
S-0386, Fritz Simak, "Parlamentsrampe", 1973
Fritz Simak, "Parlamentsrampe", 1973
mehr InfoS-0386, Ansicht vorne
© Fritz Simak / Bildrecht, Wien
S-1044, Fritz Simak, "Zaun Sequenz", 1972
Fritz Simak, "Zaun Sequenz", 1972
mehr InfoS-1044, Ansicht vorne
© Fritz Simak / Bildrecht, Wien