Ansicht vorne
Inv. Nr.S-2146
KünstlerPhilipp Pessgeb. 1987 in München, Deutschland
Titel

"DAWN"

Jahr2017
Technik

Acrylglas, Dispersionsfarbe, Nebelmaschine

Bildgröße150 x 100 cm
Auflage1/1 (+1 a.p.)
Kommentar

Ausgehend von Konzepten der Idealen Landschaft des 16. Jahrhunderts und der Romantisierung in der Landschaftsmalerei des frühen 19. Jahrhunderts bis weit in das Zeitalter der Industrialisierung, werden in meinen Arbeiten entpolitisierte Ersatzwelten generiert, die losgelöst von den jeweiligen Lebens- und Machtverhältnissen der visualisierten Landschaft existieren. 
Der Duktus von Landschaft als ein Konstrukt politisch geformter subjektiver Wahrnehmung wird aufgebrochen und in eine virtuelle Simulation von Landschaft transformiert. Darstellungsmechanismen von Realität und ihre Erscheinungsformen sowie das Verlangen der Menschen nach unberührter Naturerfahrung führen zur Erschaffung von Surrogaten. 
Das installative Objekt DAWN gibt vor, eine Landschaftsfotografie zu sein und arbeitet vor allem mit der Imagination des Betrachters, welcher die gezeigte Landschaft zu einem wesentlichen Teil selbst in seiner Vorstellung erzeugen muss.
Das visualisierte Bild ist somit für jeden ein anderes, nicht nur, da sich die Arbeit wie ein Film nie im Stillstand befindet, sondern auch weil das Gesehene unbewusst mit bereits verinnerlichten Landschaftsbildern der Morgendämmerung abgeglichen wird.
Das Grundgerüst der Arbeit bildet eine Acrylglasvitrine (100 x 150 cm) und eine Nebelmaschine. Die Wand hinter der Arbeit DAWN ist im selben Format wie die vorgelagerte Vitrine mit Farbe gestrichen. Die grüne Wandfarbe steht stellvertretend für die idealisierte Darstellung einer Naturlandschaft in der Morgendämmerung. Die Nebelmaschine füllt die Vitrine gänzlich mit Nebel, wodurch die Farbe der Rückwand zeitweise nicht mehr zu sehen ist.  Im Verlauf der Zeit senkt sich der Nebel immer weiter ab und gibt somit die Perspektive in die abstrahierte Landschaft wieder frei. Es bildet sich eine Horizontlinie, die an eine mit morgendlichem Nebel verhangene Landschaft erinnern soll.
Im übertragenen Sinne bezeichnet der Nebel den Zustand von Irrtum, Ungewissheit, Unbewusstheit, Verlorenheit und Einsamkeit. Der Nebel ist aber auch ein Symbol für den Übergang von einem Zustand zum Anderen und auch für die Grauzone zwischen Realität und Irrealität bzw. dem Zustand des Vagen und des Phantastischen. Nach mythologischer Vorstellung ist der Nebel der Urstoff der Welt. In den Märchen Mitteleuropas steht der Nebel für die Ungewissheit der Menschen gegenüber dem Kommenden und dem Jenseitigen. Ein Zustand, der nur durch Erleuchtung durchbrochen werden kann.
(Philipp Pess, 2017)

S-2146, "DAWN"
Philipp Pess, "DAWN", 2017
S-2146, Ansicht vorne
© Philipp Pess
S-2146, Installationsansicht
Philipp Pess, "DAWN", 2017
S-2146, Installationsansicht