Ansicht vorne
Inv. Nr.S-1615
KünstlerTanja Koljonengeb. 1981 in Muonio, Finnland
Titel

"Gleam"

Jahr2014
Technik

pigmentbasierter Tintenstrahldruck auf Karton, Klebefolie auf Leinwand

Bildgröße136 x 105 cm
Auflage3/6
Kommentar

From a curious process of play and contradiction

(Von einem kuriosen Prozess von Spiel und Widerspruch)

Ich glaube zwei gegensätzliche Motive steuern unsere Handlungen. Einerseits werden wir zu Systemen und Regeln gedrängt, andererseits aber von unseren Instinkten geführt. Diese Mischung aus Regeln und Möglichkeit macht alles zum Spiel – eine Existenzprobe. Meine Arbeit findet am Schmelzpunkt von Spiel und Realität statt. Ich arbeite mit gefundenen Objekten und Textfragmenten. Dank meiner Liebe zur Poesie bin ich schnell von Worten und Sätzen fasziniert. Die Poesie ist eine wunderbare Möglichkeit mit der menschlichen Tragödie umzugehen. Im Kontext meiner Arbeit erscheint die menschliche Tragödie im Kampf zwischen Rationalität und unkontrollierbarer Sehnsucht. Auf der Suche nach der Balance zwischen ihnen taucht der Humor auf. Und durch den Humor wird die Tragödie zum Spiel.

Ich sammle unerwartet Gegenstände. Gefundene Objekte ziehen oft meine Aufmerksamkeit auf sich, wenn sie Spuren von menschlichem Gebrauch zeigen. Mit dem interpretieren von Ideen und dem Isolieren von Objekten von ihrer eigentlichen Funktion, entdecke ich den Nutzen des Bedeutenden. Ich kann das Objekt belassen wie ich es gefunden habe, oder zerschneide, behandle oder gestalte es um. Das Fotografieren eines Objekts verschiebt den Akzent von dem Gegenstand selbst zu der Idee dahinter. Es ist teilweise wie was die Malerei mit Magrittes Pfeife Macht (Ceci n’est pas une pipe, 1929): Das Objekt wird ein Hinweis für sich selbst. Wenn ich zum Beispiel ein Objekt wie eine rostige Säge in einen Rahmen gebe, könnte ich es Säge nennen, und das wäre es dann. Das Fotografieren hingegen, verwandelt das Objekt selbst in eine Metapher. Diese Metaphern sind archivierte Gedanken in einem endlosen und wundersamen Prozess des weiten Verständnisses der menschlichen Natur, hervorgekommene Ergebnisse aus Text und Objekten, vorsichtig versiegelt durch den Akt des Fotografierens.

(Tanja Koljonen)
 

S-1615, "Gleam"
Tanja Koljonen, "Gleam", 2014
S-1615, Ansicht vorne
© Tanja Koljonen