Ansicht vorne
Inv. Nr.S-1508
KünstlerOskar Schmidtgeb. 1977 in Erlabrunn, Deutschland
Titel

"Cookware and Towel"


SCH-2011-08

aus der Serie: "The American Series I–XII"
Jahr2011
Technik

Pigmentbasierter Tintenstrahldruck auf Museo Papier

Bildgröße68 x 54 cm
Auflage2/5
Kommentar

Schmidt’s fotografisches Werk gleicht stillebenhaften Arrangements, in denen Interieurs und Gegenstände lyrisch ins Werk gesetzt werden. Dabei möchte der Künstler Spuren von gelebter Geschichte beleuchten. An den Arbeiten Schmidts lässt sich eine hohe Reflektionsbereitschaft gegenüber den eigenen wie fremden Bidern erkennen, so wie sie einigen Künstlern der Leipziger Schule eigen ist. In seiner vermeintlichen Vertrautheit mit dem Abgebildeten oszilliert der Betrachter zwischen kollektiver und individueller Wiedererkennung. Auf diese Weise möchte der Künstler auch darauf hinweisen, dass Geschichte nicht nur ein objektiv-chronologisches Vergangenes ist, sondern immer auch ein subjektiv-konstruiertes Gebilde.
Mitten in der aktuellen Krise der globalen Finanzindustrie reinszeniert der Künstler Oskar Schmidt in seinen neuen Arbeiten ausgewählte Fotografien des amerikanischen Fotografen
Walker Evans, wo dieser im Auftrag der Farm Security Administration (FSA) zu Beginn der 1930er Jahre während der Großen Depression das Elend der Landbevölkerung in den USA
dokumentierte.
Aus alten, abgenutzten Materialien rekonstruiert Schmidt detailliert in Lebensgröße dass in seinem Atelier, was auf den Fotografien von Evans abgebildet ist - eine verwitterte Bretterwand mit abgenutztem Aluminiumgeschirr oder einem alten Stuhl davor, unterschiedliche Details einer ärmlichen Holzhütte oder ein Stück verschlissener Dielenboden mit verschiedenen gebrauchten Alltagsobjekten. Davon wiederum fertigt er mit einer analogen Großformatkamera eine Fotografie an, die dann das eigentliche Werk darstellt.
Die zu Beginn skulptural-installative Herangehensweise wird so in ein zweidimensionales Bild überführt und der dokumentarische Habitus der Schwarz-Weiß-Fotografien von Walker Evans wird zitiert, um ihn nachfolgend einer inhaltlichen als auch formalen Veränderung zu unterziehen.
So werden bei Schmidt die Bilder eines Walker Evans anders als bei Sherrie Levine und der Appropriation Art nicht direkt reproduziert und vervielfältigt, sondern in der Abgeschiedenheit und dem immer gleichen Licht des Studios eigene, neue Bildkompositionen geschaffen, die jedoch trotz alledem sorglos als Evanssche Bilder gelesen werden. Mittels einer äußerst kontrollierten Positionierung der Bildelemente und Objekte werden hermetisch aufgeladene Bildräume geschaffen, die jedoch immer noch den Anschein des Dokumentarischen besitzen. Es handelt sich um eine höchst komplexe Inszenierung einer Ästhetik der Schönheit und Vollendung im Ärmlichen, Zufälligen und Nebensächlichen – einer "Arte Povera" der Fotografie.
Die langwierig und über mehrere Wochen entstehenden und mit der analogen Großformatkamera aufgenommenen menschenleeren Arrangements werden danach zum Teil behutsam digital überarbeitet und bei manchen Motiven bestehende Kompositionen noch nachträglich am Computer verändert.
Seine Methode ist ein reproduzierendes Aneignungsverfahren bereits vorhandener fotografischer Bilder. Schon seine früheren Arbeiten thematisierten Fragen nach der Rolle der Inszenierung in der Fotografie und riefen kunsthistorische Zusammenhänge auf. Die Auseinandersetzung mit Formen des Zitats und des Verweises auf bereits vorhandene "Vor-Bilder" ist so auch seinen neuen Bildern eigen. Verstärkt werden in seinen neuen Arbeiten Kategorien wie Autorenschaft, Authentizität und Originalität sowie dessen Negationen hinterfragt und ein Irritationsmoment über Herkunft, Bedeutungsproduktion, Lesbarkeit und Wirklichkeitsanspruch, also der Verortung von fotografischen Bildern heute stellt sich ein.
Der Gegensatz zwischen Heutigem und Vergangenem, zwischen Simulation und Wirklichkeit, Original und Wiederholung - also die komplexe Problematik des Echten und seiner Dopplung durch Bilder und das viel beschworene Ende der Fotografie beschäftigen den Künstler Oskar Schmidt in seinen neuesten Arbeiten.
(Scheublein & Bak AG, 2014)

S-1508, "Cookware and Towel"
Oskar Schmidt, "Cookware and Towel", 2011
S-1508, Ansicht vorne
© Oskar Schmidt
S-1507, Oskar Schmidt, "Kitchen Wall", 2011
Oskar Schmidt, "Kitchen Wall", 2011
mehr InfoS-1507, Ansicht vorne
© Oskar Schmidt