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Inv. Nr.S-1352
KünstlerJeroen de Rijkegeb. 1970 in Brouwershaven, Niederlandegest. 2006 in Takoradi, Ghana
Willem de Rooijgeb. 1969 in Beverwijk, Niederlande
Titel

"Gray Scale"


(zweiteilig)

Jahr2006
Technik

Gelatinesilberabzug

Bildgröße11 x 300 cm
Auflage17/40
Signatur

rückseitig am Aufkleber signiter, betitelt, datiert und numeriert

Kommentar

Nie mehr Blumen
Der junge niederländische Künstler Jeroen de Rijke ist tot

Eigentlich hat Jeroen de Rijke nur eine kleine Auszeit nehmen wollen. Seine Kamera und seinen Computer aber hat er mitgenommen, als er zuletzt nach Ghana aufbrach. Man weiß als Künstler ja nie, ob in der Ferne nicht doch ein Thema, eine Inspiration, ein Bild warten. Ob der niederländische Künstler etwas gefunden hat in Afrika, wird man wohl nicht mehr erfahren: Jeroen de Rijke starb, wie sein Galerist Daniel Buchholz mitteilte, bereits in der vergangenen Woche in einem ghanaischen Provinzkrankenhaus an Herzversagen – im Alter von 35 Jahren. International bekannt wurde er schon früh, vor fast einem Jahrzehnt. Seit 1994 bildete de Rijke mit dem ein Jahr älteren Willem de Rooij ein Künstlerduo, und bereits während ihrer gemeinsamen Studienzeit an der Gerrit Rietveld Academie und der Rijksakademie van beeldenden kunsten in Amsterdam wurden ihre ersten Filme Forever And Ever (1995) und Coming Home In Forty Days (1997) museal präsentiert, letzterer etwa auf der Manifesta 2 in Luxemburg im Jahr 1998. De Rijke/de Rooij, die zunächst vor allem mit 16 mm-, später auch 35 mm-Filmmaterial gearbeitet hatten, erweiterten bald ihre Formensprache, verwendeten zunehmend Fotografie, Video, Dia-Projektionen, aber auch Blumenarrangements. Zuletzt war in der Kölner Großausstellung „Projekt Migration" ihr Bouquet II zu sehen – ein farbenfroher Strauß, der einen Recherchetext illustrierte, der die traurigen Lebensgeschichten von vier Frauen erzählt. Diese waren schicksalhaft verbunden durch die Miss-World-Wahl 2002, die nach religiösen Protesten von Nigeria nach Großbritannien verlegt worden war. Tatsächlich waren gesellschaftspolitische und soziale Aspekte in den Arbeiten von de Rijke/de Rooij zuletzt deutlicher hervorgetreten, nachdem ihre früheren Filme sich häufig eher abstrakt mit Fragen nach der Repräsentanz von Bildern und dem Grundproblem der Zeit befasst hatten. Die Hinwendung zum konkreten filmischen Plot kennzeichnete dann ihren bislang prominentesten Auftritt: Im vergangenen Jahr gestaltete das Duo auf der Biennale von Venedig den niederländischen Pavillon mit einer Kinovorführung ihres 35-minütigen Films Mandarin Ducks, dessen Spielhandlung sich um klassische Cultural-Studies-Themen wie etwa Geschlechts- und Rassenzugehörigkeit dreht. Die letzten großen Ausstellungen der beiden waren 2005 im Stedelijk Museum Amsterdam und in der Wiener Secession zu sehen.
(Dirk Peitz, Süddeutsche Zeitung, 15.3.2006)