Ausstellung
EIKON Schauraum
MuseumsQuartier Wien
5. Dezember 2025 bis 6. Februar 2026

Vulkane haben die Gestalt unserer Erde geprägt. Sie stehen als Symbole für die geologischen Kreisläufe von Zerstörung, Erneuerung und Neuschöpfung, die die Geschichte der Erde geprägt haben. Betrachtet man Vulkane aus einem geologischen Zeithorizont, wird deutlich, dass sie auch in Bezug auf den Klimawandel eine wichtige Rolle spielen. Vulkanausbrüche können die Stratosphäre mit klimaverändernden Gasen anreichern, da diese eine Aerosolschicht bilden, die die Sonneneinstrahlung zurück ins All reflektiert und so die Temperatur an der Erdoberfläche senkt. Umgekehrt kann der Klimawandel auch einen Einfluss auf die vulkanische Aktivität haben: Steigen die globalen Temperaturen, schmelzen Eismassen und der Meeresspiegel steigt, was wiederum die Spannungen in den Erdplatten in der Nähe von Vulkanen erheblich verändert und das Risiko von Ausbrüchen erhöht. In stark vergletscherten Regionen wie Island könnte es einen Zusammenhang zwischen dem Rückzug der Gletscher und der damit verbundenen Druckentlastung auf die Lithosphäre geben. Dies würde zu einer zunehmenden Zahl von Eruptionen und einer großflächigen Umgestaltung der Erdoberfläche führen.
Vulkane liefern zudem ein Modell für Climate Engineering oder gezielte technische Eingriffe in das Klimasystem. Dazu gehören auch Methoden des sogenannten Solar Radiation Management, die direkt den Wärmehaushalt der Erde beeinflussen. Wissenschaftler diskutieren die Möglichkeit, einen Vulkanausbruch nachzuahmen, um die globale Erwärmung durch das gezielte Einbringen von Sulfat-Aerosolen in die Atmosphäre einzudämmen. Gleichzeitig sind Vulkane eine unerschöpfliche Energiequelle für die geothermische Stromerzeugung – eine Technik, die insbesondere in Island intensiv genutzt wird.
Das Kunstwerk eruption veranschaulicht die Energie und die transformative Kraft der Vulkane. Das Konzept des Triptychons basiert auf Fotografien, die in Island kurz nach dem Ausbruch des Vulkans Fagradalsfjall im März 2021 aufgenommen wurden. Mehrere Tage lang erklomm der Künstler die Berge im Tal von Geldingadalir, um sich den eruptierenden Kratern mit seiner Kamera aus verschiedenen Perspektiven zu nähern. Lavafontänen schossen bis zu 200 Meter hoch in die Luft, immer wieder öffneten sich neue Spalten, aus denen Lava hervorquoll. Gewaltige Ströme aus geschmolzenem Gestein fluteten das Tal und schufen eine neue Landschaft, die sich täglich veränderte.
Das Triptychon entfaltet einen Spannungsbogen zwischen kompositorischer Form und visueller Eruption. Unterschiedliche Perspektiven wurden zu einer neuen post-natürlichen Landschaft zusammengenäht, deren grau-schwarze Töne mit dem glühenden Orange-Rot der Lava kontrastieren. Kleine silberne Kuppeln und Strommasten verweisen auf Islands wegweisende Geothermietechnologie, aber auch auf den menschlichen Eingriff in die Natur. Die Wolkenkomposition basiert auf Aufnahmen heißen Dampfes aus einem Geothermalkraftwerk. Der vulkanische Berg im Mittelteil ähnelt einem liegenden Gesicht; sein Körper scheint sich im rechten Teil fortzusetzen, wobei Lava aus „Kopf“, „Mund“ und „Brust“ quillt – eine Allegorie auf James Lovelocks Gaia-Hypothese, die postuliert, dass die Erde und ihre Biosphäre als ein einziges lebendes Wesen betrachtet werden können.
Das Kunstwerk macht die unbändige Schöpferkraft und Erneuerungskraft der Natur sichtbar – und zugleich offenbart sich, wenn der Blick des Betrachters zum „Körper“ der Natur zurückkehrt, auch ihr Zustand der Verletzlichkeit und der zunehmenden Zerstörung.
Michael Najjar, "eruption", 2021
Hybride Fotografie, pigmentbasierter Tintenstrahldruck auf Aluminum Dibond (Diasec), gesamt 132 x 408 cm
Das Video liquid landscape ist eine Visualisierung urtümlicher geologischer Energie und der gewaltigen transformativen Kraft der Vulkane. Das Werk basiert auf spektakulären, bislang technisch unmöglichen Aufnahmen, die der Künstler gemeinsam mit einem isländischen Drohnenpiloten kurz nach dem Ausbruch des Vulkans Fagradalsfjall in Island im März 2021 gemacht hat. Mehrere Tage lang bestiegen die beiden die Berge des Geldingadalir-Tals, um sich den Kratern aus unterschiedlichen Perspektiven zu nähern. Lavafontänen schossen bis zu 200 Meter hoch in die Luft, während sich immer wieder neue Spalten öffneten und Lava hervorbrachten. In einem 8:10-minütigen Flug bewegte sich die Kamera über eine neu entstandene vulkanische Landschaft. Das Video beginnt mit einem Flug über eine archaisch wirkende, abstrakte Landschaft aus verflochtenen Steinformationen. Im Verlauf des Fluges wird die Landschaft zunehmend verflüssigt, und die Kamera behält stets die Vogelperspektive auf die steigende Aktivität, bis sie schließlich den Krater erreicht und in ein danteskes Inferno eintaucht.
Auf der akustischen Ebene verstärkt eine komplexe Klangkomposition das zunehmend dramatische Geschehen an der Oberfläche. Die ungewöhnlich immersiven Bildwelten ziehen die Betrachter immer tiefer in die Landschaft hinein und lassen sie den Transformationsprozess und die schöpferische Kraft der Erde unmittelbar spüren.
Michael Najjar, "liquid landscape", 2022
Video, 8:10 min

