Ansicht vorne
Inv. Nr.S-0859
KünstlerRobert Zahornickygeb. 1952 in Wien, Österreich
Titel

"Venus von Willendorf"

Jahr1989
Technik

Gelatinesilberabzug

Bildgröße23 x 17 cm
Signatur

rückseitig signiert, datiert und betitelt (Bleistift)

Kommentar

„Am Samstag, den 7. April 1984 um ca. 14 Uhr begann sich die Venus von Willendorf für ihre letzte Reise vorzubereiten. Nach 75-jähriger Gefangenschaft wollte sie an ihren Heimatort zurückkehren. Kurz dachte sie an jenen Tag im Jahre 1908, an dem ihre Jahrtausende währende Ruhe plötzlich gestört wurde. Nun, sie musste es tun. Langsam schlich sie sich beim Wärter vorbei und schlüpfte mit hastenden Schritten ins nahe gelegene Grün. So irrte sie an diesem Aprilsamstag in der Großstadt herum. Am Sonntag endlich fand sie die Gelegenheit, bis zu ihrem Heimatort zu gelangen. Überglücklich fand sie ihr Zuhause. Nach einem kurzen Blick in die Umgebung begann sie rasch, sich ihre Ruhestätte zu schaufeln. Sie legte sich hinein und war eins mit der Erde.“ 1
In einer eigenen kleinen satirischen Fotoserie würdigt Robert Zahornicky das weltbekannte Artefakt der Venus von Willendorf. Die altsteinzeit­liche, rund 11 cm große und etwa 29.500 Jahre alte Venusfigurine ist Österreichs bekanntester archäologischer Fund. Eine neue geologische Analyse des Naturhistorischen Museums Wien ergab, dass die Figurine mit großer Wahrscheinlichkeit aus norditalienischem Gestein hergestellt worden war, am ehesten aus dem Gebiet um den Gardasee. Die Auslegung der Venus als Fruchtbarkeits- und Sexgöttin ist mittlerweile überholt und ein Resultat des gesellschaftlichen Rollenbildes des 19. Jahrhunderts, genauso wie der Begriff „Venus“, der aus einer Zeit stammt, in der Nacktheit noch als sehr skandalös empfunden wurde. Die moderne Wissenschaft sieht in der Figurine eine Repräsentation der weisen, alten Frau – der Großmutter. Mittlerweile nehmen wir an, dass während die Großmütter die Kinder auf das steinzeitliche Leben vorbereiteten, die jungen Frauen mit den Männern auf Jagd gingen.2
(Christoph Fuchs)

 

Anmerkungen

1
Robert Zahornicky über die Serie, www.zahor.net/aktionen.html

2
THE DISSIDENT GODDESSES‘ NETWORK ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das sich, ausgehend von den bedeutenden Funden weiblicher Figurinen aus Niederösterreichs Früh- und Urgeschichte, der Fragestellungen annimmt, die sich aus heutiger Sicht an diese Funde anschließen lassen, www.tdgn.at

 

S-0859, "Venus von Willendorf"
Robert Zahornicky, "Venus von Willendorf", 1989
S-0859, Ansicht vorne
© Robert Zahornicky / Bildrecht Wien
S-0859,
Robert Zahornicky, "Venus von Willendorf", 1989
S-0859, "Venus 01, Naurhistorisches Museum", 1984