Inv. Nr.S-0646
KünstlerMarilyn Bridgesgeb. 1948 in Newark, NJ, USA
Titel

"Journey, Monument Valley"


Utah/Arizona, USA

Jahr1983, vintage
Technik

Gelatinesilberabzug

Bildgröße37 x 47 cm
Auflage33/50
Signatur

rückseitig betitelt, datiert und signiert (Bleistift)

Kommentar

"I felt as though I was in the presence of a great force, a force that provided unity, that challenged the narrow perspectives of our lives by requiring us to step back enough to view the whole."
Marilyn Bridges

Die Fotografien von Marilyn Bridges sind sowohl Kunst als auch Information, persönlicher Ausdruck und Dokumentation. Seit einem Jahrzehnt verbindet Bridges die Fotografie mit ihrer Leidenschaft für das Fliegen, um das zu bewahren, was sie als „Botschaften der Menschheit” bezeichnet. Diese Zeichen und Denkmäler, die auf der Erde geschrieben sind und einen Zeitraum von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart umfassen, bilden ein komplexes Mosaik der menschlichen Kultur und dokumentieren sowohl unser sakrales als auch unser weltliches Leben. 
Bridges' Arbeit hat wissenschaftlichen Wert, wird aber auch von ihrer persönlichen Vision und der Begeisterung für das Fliegen angetrieben. Während das Flugzeug eine Kurve fliegt, kontrolliert sie den Anflugwinkel, um Details zu erhalten und gleichzeitig die größere Komplexität der Landschaft zu zeigen. Bridges bevorzugt das Licht des frühen Morgens oder des späten Nachmittags, wenn die Sonne lange und markante Schatten wirft. Diese Schatten verstärken die Dreidimensionalität dessen, was darunter liegt, und ihre Muster werden als bestimmende Elemente in die Fotos integriert. 
Viele der frühesten von Bridges fotografierten Erdwerke sind vom Boden aus nicht zu entschlüsseln. Der Legende nach wurden sie nicht gebaut, um von den Erbauern gesehen zu werden, sondern von ihren Göttern. Andere sind das Ergebnis ritueller Handlungen, die eine Verbindung zur Erde herstellen sollten. Diese Stätten sind geheimnisvolle Orte, deren Zweck und Bedeutung wir vielleicht nie erfahren werden. Wieder andere sind Denkmäler für die Göttlichkeit von Königen und die Macht von Nationen, die gebaut wurden, um die Erdgebundenen zu beeindrucken und zu inspirieren.
In der zeitgenössischen ländlichen Landschaft zeigt Bridges die zeitlosen Tätigkeiten der Landwirtschaft und Viehzucht. Abgesehen von gelegentlichen Maschinen erscheinen diese Szenen oft so, wie wir uns das Leben unserer Vorfahren vorstellen. Wenn Bridges unsere Städte fotografiert, verleiht sie ihnen eine Majestät und Monumentalität, die sie mit den architektonischen Errungenschaften der Antike verbindet. Sie zeigt uns jedoch auch eine zeitgenössische Landschaft, die voller Zeugnisse der Industrialisierung ist. Für Bridges spiegeln unsere Fabriken und verstopften Autobahnen weniger den Fortschritt wider als vielmehr unsere gestörte Beziehung zur Erde und zur Umwelt. 
Marilyn Bridges, Fotografin, Pilotin und Entdeckerin, beleuchtet die Verbindungen zwischen den Spurenlegern von 3000 v. Chr. und den Erbauern unserer modernen Städte. Ob antik oder zeitgenössisch, Bridges' Landschaften erfüllen eine doppelte Funktion: Sie interpretieren die Kraft außergewöhnlicher Orte und schaffen visuelle Aufzeichnungen, die sich möglicherweise als einziges Mittel erweisen, um diese Orte vor den erodierenden Elementen der Zeit und der Vernachlässigung zu bewahren.
Bridges' Arbeit selbst handelt von Zeit, sowohl geologischer als auch menschlicher. Durch ihre Fotografien skizziert sie die Geschichte der Menschheit. Dennoch tauchen Menschen selten in ihren Bildern auf. Vielmehr versucht sie wie eine Archäologin, eine Kultur anhand der hinterlassenen Spuren zu definieren. Einige sind von großer Bedeutung, während andere Spuren ohne nennenswerte Besonderheiten sind. Dennoch spiegeln alle die Welt ihrer Schöpfer wider und oft auch die Errungenschaften ihrer physischen, intellektuellen und spirituellen Kräfte. 
(Willis Hartshorn)1

 

Das Monument Valley ist eine Hochebene im us-Bundesstaat Utah und liegt innerhalb des größten Indianerresvervat Navajo-Nation-Reservation. Es ist bekannt für seine Tafelberge, Felstürme und Nadelformationen. Soweit man heute weiß, waren die Anasazi-Indianer, auch "die Uralten" genannt, die ersten Einwohner:innen des Monument Valleys. Sie bauten die ersten Felshöhlenbehausungen vor mehr als 1500 Jahren, verschwanden allerdings noch vor dem Eintreffen der ersten Weißen bereits im 13. Jahrhundert aus der gesamten Region. Heute leben etwa 300 Navajo im Monument Valley und pflegen dort ihre Traditionen. Bekannt ist die Gegend jedoch durch zahlreiche Spielfilme die hier gedreht wurden wie etwa Ringo (John Ford), Spiel mir das Lied vom Tod (Sergio Leone), Easy Rider (Dennis Hopper), Zurück in die Zukunft iii und Forrest Gump (Robert Zemeckis)
(Christoph Fuchs)

 

 

Anmerkung
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1
Willis Hartshorn, Direktor des International Center for Photo­graphy (ICP), New York City
https://www.icp.org/browse/archive/constituents/marilyn-bridges (­aufgerufen 10.9.2025)

S-0646, "Journey, Monument Valley"
Marilyn Bridges, "Journey, Monument Valley", 1983
S-0646, Ansicht vorne
© Marilyn Bridges
S-0646, Abbildung verso
Marilyn Bridges, "Journey, Monument Valley", 1983
S-0646, Abbildung verso