Geheimer Winkel
Gelatinesilberabzug auf Karton
Josef Breitenbach gestaltet das Bild durch die Konzentration auf einen banalen Alltagsgegenstand, einen filigranen Eisenstuhl. Dieser ist leer, doch präsent – als Einladung oder als Frage. Daneben der von Efeu umwachsene Pan. Die Szene ist nicht inszeniert, sondern entdeckt: Ein Winkel, der seinem Namen gerecht wird: verborgen, unbeobachtet, beinahe übersehen.
Was das Bild entscheidend prägt, sind Licht und Schatten. Sonnenstrahlen fallen gefiltert durch die Blätter eines Baumes und zeichnen ein bewegtes Muster in dem Bild. Das Licht modelliert nicht nur die Dinge, es verunklart sie zugleich. Die Schatten der Blätter erscheinen wie flüchtige Projektionen, als würde die Natur mitfotografieren, als würde die Zeit sichtbar.
Breitenbach findet eine Bildsprache für das Zarte, das Flüchtige. Er interessiert sich nicht für das Spektakuläre, sondern für das Dazwischen: für das, was Licht auf Oberflächen schreibt und für das, was sich dabei entzieht. Breitenbachs Geheimer Winkel ist kein stilles Idyll, sondern ein fotografisches Gedicht über Präsenz und Abwesenheit, über Licht als Zeichen der Zeit.
(Christoph Fuchs)
