Inv. Nr.S-2941
KünstlerChristine de Grancygeb. 1942 in Brünn, Tschechische Republikgest. 2025 in Wien, Österreich
Titel

"Nike, die Siegesgöttin in ihrer Quadriga, in der Göttergemeinschaft am Dach des Wiener Parlaments"

Jahr2004
Technik

Gelatinesilberabzug auf Baryt

Bildgröße29,2 x 20 cm
Signatur

vorderseitig signiert (Tinte), rückseitig betitelt und datiert (Tinte)

Kommentar

Bekanntheit erreichte die österreichische Fotografin Christine de Grancy vor allem mit ihrer jahrelange Tätigkeit im Burgtheater als Bühnenfotografin. Außerdem fertigte sie zahlreiche Aufnahmen in Tunesien, Tibet, Niger und der Westsahara. Neben ihrer Arbeit für Magazine wie Stern und Vogue veröffentlichte sie auch mehrere Bücher.
Bekannt war de Grancy aber auch für ihre Aufnahmen von Wien, die etwa im 2021 veröffentlichten Buch Über der Welt und den Zeiten festgehalten wurden. Ihre "Götterbilder" fingen etwa die zahlreichen Statuen der Stadt ein, wobei sie diese bei "Exkursionen ins habsburgische Disney Land" aufgespürt habe, wie Mercedes Echerer aus einem Gespräch mit der Fotografin erzählt. Eine enge Verbindung hatte de Grancy auch zu Universalkünstler André Heller, mit dem sie mehrere Bücher veröffentlichte. Er lobte im Rahmen einer Ausstellungseröffnung im Wiener WestLicht vor etlichen Jahren ihre "unösterreichische Neugierde auf die Welt".1

Im Hintergrund lenkt Nike, die Siegesgöttin, ihre Quadriga über das Dach des Wiener Parlaments. Rechts im Hintergrund ein Teil des Heldenplatzes mit der Neuen Hofburg. Links im Bild die Kuppel des Michaeler Trakt der Hofburg, die Michaelerkirche und der Stephansdom. Die Skulpturengruppe wurden von Vinzenz Pilz geschaffen, dem Lieblingsbildhauer von Theophil von Hansen (1813–1891), dem Architekten des Parlamentsgebäudes. Die ursprünglich vorgesehene Vergoldung der Kutsche wurde nie ausgeführt. 

Hoch auf den Attiken der beiden Saalbauten ragen frei gegen den Himmel die Quadrigen, jeweils vier auf dem Herrenhaus und dem Abgeordnetenhaus, korrespondierend zu den Rossebändigern der Auffahrtsrampe. Diese Pferdegespanne, nach der Vorstellung Hansens Siegeszeichen, sollen den Triumph der parlamentarischen Tätigkeiten symbolisieren. Die Quadrigen wurden nach dem Entwurf des Plastikers Pilz als Bronzeguss gefertigt. Bereits im August 1883 konnte die erste Quadriga aufgesetzt werden. Die Aufstellung der restlichen Quadrigen konnte 1885 abgeschlossen werden. Sie sind alle ident, unterschiedlich sind lediglich die Attribute der Siegesgöttin Nike. Sie hält entweder einen Ölzweig oder einen Lorbeerkranz in ihren Händen. Nike steht in einem einachsigen Wagen mit niederem, halbrundem Wagenkasten, dessen Vorderseite von einem Doppeladler und der Habsburgerkrone geschmückt ist. Die Göttin ist mit einem Chiton bekleidet, der durch den Fahrtwind stark zu flattern scheint und ihre Körperkonturen zeigt. Dadurch sowie durch die Haltung des Oberkörpers, der sich stürmisch nach vorne neigt, vermitteln die Quadrigen große Dynamik. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die kraftvolle Gestaltung der Pferde.2

Das Parlamentsgebäude betrachtete Theophil Hansen als sein Lebenswerk. Neben dem Entwurf für das Gebäude konzipierte er die gesamte Ausstattung bis hin zu den Möbeln – mit dem Ziel einer harmonischen Abstimmung auch noch der kleinsten Details. Hansen verbaute in seinem Meisterstück von 1874 bis 1883 zahlreiche Anspielungen und Verweise auf die gelebte Demokratie. Bauformen und Symbolik entnahm er der Formensprache der griechischen Antike, um dem Ursprung der Demokratie Rechnung zu tragen. Durch die Verwendung von Materialien aus den Kronländern der Monarchie versinnbildlichte er das Zusammenwirken aller Kräfte im Reichsrat. Dank seiner weitsichtigen Konzeption, Planung und Ausführung schuf Hansen ein Monument und Wahrzeichen für die österreichische Demokratie. Großen Wert legte Hansen darauf, das Äußere und das Innere des Parlamentsgebäudes aufeinander abzustimmen. Er entwarf die malerischen und plastischen Ausstattungen selbst und nahm großen Einfluss auf deren Umsetzung.3
(Christoph Fuchs)

 

Anmerkungen

1
Der Standard, "Österreichische Fotografin Christine de Grancy 82-jährig gestorben", 21.3.2025, https://www.derstandard.at/story/3000000262402/214sterreichische-fotografin-christine-de-grancy-82-j228hrig-gestorben (aufgerufen 3.2.2026)

2
Das Dach des österreichischen Parlaments - ein Kunstwerk, Parlamentskorrespondenz Nr. 733 vom 16.12.2002, https://www.parlament.gv.at/aktuelles/pk/jahr_2002/pk0733 (aufgerufen 3.2.2026)

3
vgl. parlament.gv.at (aufgerufen 3.2.2026)

 

S-2941, "Nike, die Siegesgöttin in ihrer Quadriga, in der Göttergemeinschaft am Dach des Wiener Parlaments"
Christine de Grancy, "Nike, die Siegesgöttin in ihrer Quadriga, in der Göttergemeinschaft am Dach des Wiener Parlaments", 2004
S-2941, Ansicht vorne
© Nachlass Christine de Grancy
S-2941, Rückansicht
Christine de Grancy, "Nike, die Siegesgöttin in ihrer Quadriga, in der Göttergemeinschaft am Dach des Wiener Parlaments", 2004
S-2941, Rückansicht