Ansicht vorne
Inv. Nr.S-2898
KünstlerMichael Najjargeb. 1966 in Landau, Deutschland
Titel

"eruption"

aus der Serie "cool earth"
Jahr2021
Technik

Tritychon, pigmentbasierter Tintenstrahldruck auf Alu-Dibond, hinter mattem Acrylglas (Diasec)

Bildgröße67 x 56 cm
Auflage4/6
Kommentar

Vulkane haben die Form unserer Erde geprägt. Sie stehen als Symbole für die geologischen Zyklen der Zerstörung, Erneuerung und Wiederherstellung, die die Geschichte der Erde geprägt haben. Betrachtet man Vulkane aus geologischer Perspektive, wird deutlich, dass sie auch im Hinblick auf den Klimawandel eine wichtige Rolle spielen. Vulkanausbrüche können die Stratosphäre mit klimaschädlichen Gasen anreichern, da diese eine Aerosolschicht bilden, die Sonnenstrahlung zurück ins All reflektiert und so die Temperatur auf der Erdoberfläche senkt. Umgekehrt kann der Klimawandel auch Auswirkungen auf die vulkanische Aktivität haben: Wenn die globalen Temperaturen steigen, schmelzen Eismassen und der Meeresspiegel steigt, was wiederum die Spannungen in den Erdplatten in der Nähe von Vulkanen erheblich verändert und das Risiko von Ausbrüchen erhöht. In stark vergletscherten Regionen wie Island könnte ein Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Gletscher und der damit verbundenen Druckentlastung auf die Lithosphäre bestehen. Dies würde zu einer zunehmenden Anzahl von Eruptionen und einer weitreichenden Umgestaltung der Erdoberfläche führen. Vulkane bieten auch eine Blaupause für Climate Engineering oder gezielte technische Eingriffe in das Klimagleichgewicht. Dazu gehören auch Methoden, die als Solar Radiation Management bekannt sind und die Wärmebilanz der Erde direkt verändern. Wissenschaftler diskutieren die Möglichkeit, einen Vulkanausbruch nachzuahmen, um die globale Erwärmung durch die gezielte Einbringung von Sulfataerosolen in die Atmosphäre einzudämmen. Gleichzeitig sind Vulkane eine unerschöpfliche Energiequelle für die geothermische Stromerzeugung, eine Technik, die vor allem in Island intensiv genutzt wird.
eruption visualisiert die Energie und die transformative Kraft von Vulkanen. Das Konzept des Triptychons basiert auf Fotografien, die kurz nach dem Ausbruch des Vulkans Fagradalsfjall im März 2021 in Island aufgenommen wurden. Mehrere Tage lang erklomm der Künstler die Berge im Geldingadalir-Tal, um sich den ausbrechenden Kratern mit seiner Kamera aus verschiedenen Perspektiven zu nähern. Die Lavafontänen schossen bis zu 200 Meter in die Luft, immer wieder öffneten sich neue Spalten, aus denen Lava strömte. Riesige Ströme geschmolzenen Gesteins fluteten das Tal und schufen eine neue Landschaft, die sich täglich veränderte. Das Triptychon entfaltet einen Spannungsbogen zwischen kompositorischer Form und visueller Eruption. Verschiedene Perspektiven wurden zu einer neuen postnatürlichen Landschaft zusammengefügt, deren grau-schwarze Töne im Kontrast zum leuchtenden Orange-Rot der Lava stehen. Kleine silberne Kuppeln und Strommasten verweisen auf Islands wegweisende Geothermie-Technologie, aber auch auf den Eingriff des Menschen in die Natur. Die Komposition der Wolken basiert auf Aufnahmen von heißem Dampf aus einem Geothermiekraftwerk. Der Vulkanberg im mittleren Teil ähnelt einem liegenden Gesicht; sein Körper scheint sich im rechten Teil fortzusetzen, wobei Lava aus "Kopf", "Mund" und "Brust" sickert – eine Allegorie auf James Lovelocks Gaia-Hypothese, die postuliert, dass die Erde und ihre Biosphäre als ein einziges Lebewesen betrachtet werden können. Das Kunstwerk visualisiert die unbändige Schöpfungs- und Erneuerungskraft der Natur; gleichzeitig werden dem Betrachtenden, wenn sein Blick auf den "Körper" der Natur zurückkehrt, auch deren Verletzlichkeit und zunehmende Zerstörung vor Augen geführt. 
(Studio Michael Najjar)

S-2898, "eruption"
Michael Najjar, "eruption", 2021
S-2898, Ansicht vorne
© Michael Najjar
S-2898–2900, Michael Najjar, "eruption", 2021
Michael Najjar, "eruption", 2021
mehr InfoS-2898–2900, Ansicht vorne
© Michael Najjar
S-2899, Michael Najjar, "eruption", 2021
Michael Najjar, "eruption", 2021
mehr InfoS-2899, Ansicht vorne
© Michael Najjar
S-2900, Michael Najjar, "eruption", 2021
Michael Najjar, "eruption", 2021
mehr InfoS-2900, Ansicht vorne
© Michael Najjar