"Adorfer Klippen II"
Kollodium-Nassplatte, Original auf Aluminium-Platte (Ferrotype)
Mitten in Deutschland wurden 42 Orte identifiziert, die eine besondere kulturelle, spirituelle und historische Bedeutung haben. Es sind stille Orte, die berühren und die Menschen zum Innehalten in diesen hektischen Zeiten einladen. Ein renommiertes Trio aus Autor (Michael Gleich), Fotograf (Christian Klant) und Gestalter (Clemens Theobert Schedler) setzt diese Orte mit einem aufwändig gestalteten Buchprojekt in Szene.
Drei Jahre lang hat der Fotokünstler Christian Klant an diesem Projekt gearbeitet. Klant ist international bekannt für seine Arbeiten mit dem historischen Kollodium-Nassplatten-Verfahren. Ganz bewusst wählte er auch für „Places of Resonance“ diese langsame und achtsame Arbeitsweise. Mit Großformatkamera und Dunkelkammerzelt reiste er viele Male von Berlin zu den Sauerland-Seelenorten, um Felsen, Quellen, Kirchen, majestätische Bäume und selbst den Stollen eines Eisenbergwerks zu fotografieren. Seine Arbeiten wirken intensiv und zeitlos. Sie stellen einen starken Gegenpol zu der alltäglichen Bilderflut dar. Das WDR-Fernsehen produzierte gleich zwei Beiträge über seine Arbeit an diesem Projekt.
Die Texte von Michael Gleich, in Berlin lebender Autor, Moderator und Kurator, der seine Wurzeln im Sauerland hat, bieten eine zweite Perspektive auf die ebengleichen Orte. Mit philosophischer Tiefe und Feingefühl beschreibt er nicht nur Bedeutungen und Hintergründe, sondern seine ganz persönlichen Erfahrungserlebnisse. Eine ausführliche Einleitung zum Thema und ein inspirierendes Portrait der Arbeitsweise von Christian Klant ergänzen die Beiträge zu den einzelnen Orten.
Beide Perspektiven eint die Auseinandersetzung mit der Resonanz zu diesen besonderen Plätzen. Dadurch wird das Buch selbst auch zu einer Art Seelenort.
(christian-klant.com)
Die 42 ausgewählten Orte, "Sauerland-Seelenorte", sind Felsen und Steinbrüche, Kirchen und Bergkuppen, mächtige Bäume und unterirdische Grotten, Seen und Täler. Orte, die besonders beeindruckend sind und für die Menschen in ihrer Umgebung eine besondere Bedeutung besitzen. Nicht nur heute, sondern auch schon zu früheren Zeiten. Sie berühren die Menschen emotional, geistig und spirituell. Sie rufen starke Resonanzen hervor. Es sind Orte, zu denen die Menschen wandern und wo sie abschalten können. Zu sich kommen. Die Ruhe genießen. Inspiriert werden. Neue Einsichten gewinnen. Auch wenn jeder Sauerland-Seelenort seine eigene Geschichte erzählt, gibt es eine Qualität, die alle verbindet: Lebendige Stille. Mehr zu den Seelenorten unter www.sauerland-wanderdoerfer.de
"Die Roten Klippen sind ein guter Ort, um dem inneren Kind Auslauf zu gewähren."
(Michael Gleich)
Die Adorfer Klippe, auch Martenberg-Klippe oder Rote Klippe, im Volksmund Rosenschlösschen genannt, ist ein geologisches Naturdenkmal im Naturpark Diemelsee in Nordhessen. Die etwa 8 Meter hohe Martenbergklippe befindet sich in einem ehemaligen Eisenerz-Tagebau. Ihr geologischer Aufbau stammt aus dem Devon, also der frühen Erdgeschichte von 393,3 bis 358,9 Millionen Jahre, und ist besonders fossilreich. Die reichhaltige Roteisenfauna besteht aus Cephalopoden (Kopffüßler), Brachiopoden (Armfüßler), Trilobiten (Dreilapp-Krebse), Crinoiden (Seelilien), Conodonten und solitären Korallen. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde zum ersten Mal der Begriff "Adorf-Stufe" geprägt, die Martenberg-Klippe wurde in der Folgezeit Typlokalität und Richtprofil für die stratigraphische Gliederung des Devons und Wiege der weltweit gültigen Cephalopoden-Stratigraphie, also die Einteilung der fossilen Kopffüßler.
Christian Klant arbeitet mit der historischen Fototechnik der Ferrotypie aus dem 19. Jahrhundert. Dabei wird ein direkt positives Bild auf eine dünne, schwarz lackierte Eisenplatte erzeugt – entgegen dem auch für diese Technik verwendeten, aber irreführenden Namen, Tintype, besteht die Platte nicht aus Zinn, sondern aus Eisen (lateinisch ferrum). Die Ferrotypie wurde in den 1850er-Jahren entwickelt und war eine günstigere und robustere Alternative zu den früheren Verfahren der Daguerreotypie und der Ambrotypie. Bei der Herstellung wird die Eisenplatte mit einer lichtempfindlichen Emulsion (meist Kollodium) beschichtet. Das Bild wird direkt auf dieser Platte belichtet und entwickelt. Das dabei entstehende negative Bild erscheint jedoch aufgrund des Dunkelfeldprinzip vor einem dunklen Hintergrund als Positiv. Jede Aufnahme ist somit ein Unikat.
Besonders populär war diese Technik damals für Porträts, unter anderem bei Jahrmärkten, im amerikanischen Bürgerkrieg und in der Straßenfotografie. Durch ihre niedrigen Kosten und schnelle Herstellung war sie für einen breiten Teil der Bevölkerung zugänglich.
(Christoph Fuchs)
