Ansicht vorne
Inv. Nr.S-2603
KünstlerLászló Moholy-Nagygeb. 1895 in Bácsborsód, Ungarngest. 1946 in Chicago, USA
Titel

ohne Titel

Technik

Gelatinesilberabzug

Bildgröße29,2 x 20,2 cm
Signatur

rückseitig Nachlass-Stempel

Kommentar

László Moholy-Nagy war Autodidakt. Er experimentierte zuerst in der Malerei mit dem Konstruktivismus. Durch die Inspirationen der Formen und Geometrien, sowie Raumtiefen, fand er schnell zu seinem Stil, der sich schließlich durch all seine Arbeiten zog. Zudem war Molholy auch ein Typograph, Fotomonteur und als Filmemacher tätig. Gleichzeitig experimentiert er mit Fotografie und Fotogrammen. Für László Moholy-Nagy stand der visuelle Charakter und die Eigenschaften des jeweils verwendeten Materials dabei im Vordergrund, wodurch er wichtige Impulse am Bauhaus gab. Eine politische Haltung oder der Realismus waren dabei für Lazlo völlig zweitrangig.
Moholys Stil prägte sich im Besonderen durch seine sehr grafischen Darstellungen aus. Dieser grafische Stil war daher auch kennzeichnend für seine Fotografien. Für ihn war die Fotografie vor allem ein Malen mit Licht. Durch das bewusste Negieren fotografischer Regeln, erreichte er stürzende Linien und nie dagewesene Perspektiven.
Seine Intention bestand darin, die Perspektive für den Betrachter aufzuheben und eine neue Sicht auf die Formen der Welt zu übermitteln. Diese Intention spiegelt sich im wesentlichen darin, dass er immer versucht hat das Subjekt, also den Betrachter mit einzubeziehen und ihn sozusagen „fliegen“ zu lassen.
Moholy-Nagy: „Raum ist eine Realität, nach eigenen Gesetzen gliederbar, er muss in seiner fundamentalen Substanz erfasst werden…. Raumgestaltung ist die Gestaltung von Lagebeziehungen der Körper.“
Dieses Schema zieht sich durch Moholys gesamte Gestaltung.
Diese Gedankengänge sind die wesentlich für eine Stilrichtung der Fotografie, welche später als „Neues Sehen“ bekannt geworden ist. Wie ihr Name schon sagt, zeigt diese am Anfang des 20. Jahrhunderts eine völlig neue Art des Sehens. Sie bedient „Stilmitteln“ wie zum Beispiel experimentelle Motive, unkonventionelle Ausschnitte, extreme Perspektiven, beispielsweise Drauf- oder Druntersichten, welche in der fotografischen Kontra-Kompostion eine Eigendynamik der Bildgegestände erzeugt, die leicht zu skurrilen Eigenbewegungen der Bildelemente und phantastischen oder sogar surrealen Erscheinungen der Dinge führen können, und schließlich die Faszination vom Einfrieren bewegter Bilder, was durch Kameras nun möglich war.
All diese Stilmittel betrachtend sieht man schnell, dass für die Vertreter der Neuen Sehens fast immer die Ästhetik im Bild eine größere Rolle spielt als der Inhalt. Dem Kamerabild wird keine inhaltliche Bedeutung beigemessen. die Objektivität der Fotografie zwingt den Betrachter zur Formung seiner eigenen Meinung. Der Fotoapparat soll das Auge lediglich in seiner Fähigkeit zu Sehen ergänzen.
Die von Moholy angestrebten Verbindungen zwischen den Bildelementen führt fast von selbst auf die gleiche Wirkungsweise hin wie der Surrealismus und Moholy schein entdeckerfreudig genug gewesen zu sein, dass er diese sich nun bietenden Aspekte aufnahm und weiterführte. Dieser Surrealismus ist von Moholy, wie verschiedene seiner Fotografien zeigen, durchaus akzeptiert und beabsichtigt.
(Mats Karlsson, www.matskarlsson.de)

S-2603, ohne Titel
László Moholy-Nagy, ohne Titel
S-2603, Ansicht vorne
S-2603, Rückseite
László Moholy-Nagy, ohne Titel
S-2603, Rückseite