"Rheinische Landschaft"
Gelatinesilberabzug auf Agfa-Brovira Papier
rückseitiger signiert, datiert und Stempel
1949 gehörte Keetman zu den Gründern der Gruppe fotoform, die mit ihren experimentellen, graphisch prägnanten Werken an die fotografische Avantgarde der 1920er Jahre anknüpfte. Den Einfluss, den die „Neuen Fotografen“ der Weimarer Zeit auf ihn ausübten, wusste er mit seiner eigenen, individuellen Wahrnehmung der ihn umgebenden Wirklichkeit zu verbinden und in eine neue, zeitgemäße Ästhetik zu überführen. Während seiner mehrere Jahrzehnte umspannenden fotografischen Tätigkeit richtete er seinen Blick auf wiederkehrende Sujets. Visuell reizvolle Phänomene, die die Natur und Dingwelt bereithalten, interessierten ihn: Die Transparenz eines Wassertropfens, der diffuse Rauch einer Zigarette, Kondenswasser, in dem sich das Licht bricht, kristallene Eisbildungen, Spiegelungen und Reflexionen, Dampf und Nebel. Durch das Objektiv seiner Kamera isolierte er diese optischen Erscheinungen und übersetzte sie in Bilder von strenger, graphischer Schönheit. „Wir sind – ob wir das nun zur Kenntnis nehmen oder nicht – von einer Welt voller gesetzmäßiger Wunder umgeben“ hielt Peter Keetman in späteren Jahren fest. Diese Wunder sichtbar zu machen, darin sah er seine Aufgabe als Fotograf.
(Julian Sander Galerie)
Bei der Betrachtung der Werke macht sich jenes große Vorbild bemerkbar, das Peter Keetmans fotografisches Schaffen über die verschiedenen Jahrzehnte hinweg geprägt hat, und dies ist Albert Renger-Patzsch. So weisen die zwei frühesten Fotografien Keetmans im Sanderschen Bestand [Anm. die Fotografie stammt aus der Sammlung Gerd Sander], die Rheinische Landschaft aus dem Jahr 1937 und eine weitere Landschaftsdarstellung aus den späten 1930er Jahren eben jene Merkmale der Bildgestaltung auf, wie sie in den neusachlichen Landschaftsaufnahmen Renger-Patzschs zum Tragen kommen: Bäume, Hecken, das gemähte, in Bahnen liegende oder zu Ballen geschichtete Heu bzw. die linear verlaufenden Bahngleise werden hier zu graphisch aufgefassten Elementen, die die Bildfläche gliedern.
(Maren Klinge, aus: Galerie Julian Sander, Keetmann. Gerd Sander Collection, 2023)

