"Down the Lane – Bastia, Corsica"
Gelatinesilberabzug, getont, auf Karton
rückseitg betitelt und signiert (Bleistift), Ausstellungsetikett auf Kartonrückseite
Die stimmungsvolle Aufnahme des unbekannten Amateurfotografen W.P.A. Chambers zeigt eine Gasse im korsischen Bastia. Im Hintergrund zu sehen das Wahrzeichen der Stadt, die Kirche Église Saint-Jean-Baptiste.
Die Idylle im Bild täuscht jedoch über die politische und soziale Realität der Zwischenkriegszeit in Korsika hinweg. Während dieser Zeit entwickelte sich in Marseille am französischen Festland ein weitreichendes Netzwerk der korsischen Mafia, das nicht nur im Waffen- und Drogenhandel tätig war, sondern auch zunehmend politischen Einfluss ausübte. Bastia spielte dabei eine zentrale Rolle als soziales und logistisches Rückzugsgebiet. Die engen familiären und wirtschaftlichen Bindungen zwischen Bastia und der korsischen Diaspora in Marseille sorgten für einen kontinuierlichen Austausch von Informationen, Personen und Ressourcen. Viele der führenden Akteure der marseiller Unterwelt stammten ursprünglich aus Bastia oder unterhielten dort Netzwerke, über die etwa Waffen beschafft oder "Geschäfte" diskret abgewickelt werden konnten.
Diese kriminellen Strukturen und politischen Verflechtungen erreichten in den 1930er Jahren ihren Höhepunkt – einer Zeit, in der wirtschaftliche Not, politische Instabilität und die Schwäche staatlicher Institutionen organisierten Gruppen zunehmend Raum boten.
Daneben wurden die territorialen Ansprüche des faschistischen Italiens gegenüber Korsika immer lauter. Italienische Karten, Schulbücher und Zeitungen stellten Korsika als entfremdetes italienisches Territorium dar.
(Christoph Fuchs)



