Gelatinesilberabzug
rückseitig signiert, betitelt und datiert (Bleistift)
Die große französische Fotografin Sabine Weiss gilt als Grande Dame der humanistischen Fotografie und hat in über sieben Jahrzehnten ein Lebenswerk geschaffen, das sich auf Fotografien aus Paris konzentriert. Seit 1946 lebt sie dort. Als ausgebildete Porträtistin hat sie nicht nur zeitlose Charakterstudien von Prominenten geschaffen, sondern auch immer wieder Menschen auf der Straße in zufälligen Situationen fotografiert. Sie ist eine brillante Geschichtenerzählerin, ihre Fotografien leben von einer präzisen Beobachtung und einer vielschichtigen atmosphärischen Darstellung des Alltags. Das feine Sensorium der Fotografin öffnet den Blick für die kleinen Dinge des Lebens. Weiss zeigt den Alltag, die Arbeit, aber auch die Freizeit der fotografierten Personen.
Bereits 1956 stellte Robert d’Hooghe die Fotografin dem LFI als „Meisterin der Leica“ vor: Und Paris begann erneut, seine alte Faszination auf die Jugend der Welt auszuüben. Unter denen, die sich in Paris trafen, war ein junges Mädchen aus der Schweiz. Sie war gerade zwanzig Jahre alt, hatte eine solide Ausbildung in einem Schweizer Fotostudio absolviert und das Leben vor sich. Bald kannte man Sabine in den Kreisen der jungen Dichter, Maler und Musiker zwischen Montparnasse, St. Germain-des-Près und Montmartre, die in endlosen Debatten damit beschäftigt waren, die verdorbene Welt zu entwirren und neu zusammenzusetzen. Wenn sie sich an den Diskussionen beteiligte, vergaß sie nie zu betonen, dass sie Fotografin und keine „Künstlerin” war. Aber sie war keineswegs schüchtern. Sie fand, dass ihre Freunde ausgezeichnete Kunsttheorien entwickelten, diese aber nicht verstanden. Durch „Sehen“ verstand Sabine Weiss: sich von den visuell erfassbaren Eindrücken der Umgebung und den darin enthaltenen Zusammenhängen bewegen zu lassen. Der Text beschreibt sehr eindrucksvoll die Fähigkeit des fotografischen Blicks von Sabine Weiss. Denn dieser ist in der Tat außergewöhnlich präzise und hat ein Zeitgefühl bewahrt, das bis heute nachwirkt.(Ulrich Rüter, übersetzt mit deepL)

