"Joseph Beuys"
Düsseldorf
Pigmentbasierter Tintenstrahldruck
Das Ausgangsbild zu dieser Arbeit ist eine Fotografie die Stephan Reusse von Joseph Beuys angefertigt hat. Das Negativ wurde auf herkömmliches Gelatinesilber-Fotopapier belichtet. Stephan Reusse hat eine eigene chemische Lösung entwickelt mit der er das Bild nach der Entwicklung wieder in ein "unsichtbares" sogenanntes Halogensilberbild umwandeln kann. In einer gemeinsamen Aktion mit Joseph Beuys und mit Hilfe von Harnsalzen konnte das Bild dann bei Tageslicht wieder "sichtbar" gemacht werden.
So wie Joseph Beuys, sieht sich auch Stephan Reusse in der Tradition der Alchemisten. Die bio-chemische Reaktion der Harnsalze mit dem Halogensilberbild referiert auf den erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys und setzt die beiden Künstler somit in Relation zueinander.
Diese Arbeit ist ein nachträglich angefertigter Ausstellungsabzug vom eigentlichen Unikat als Schüttbild mit Harnsalzen auf Halogensilber, die erste fotografische Arbeit in der Sammlung SpallArt. Das Original ging 2004 als Schenkung an das mumok (Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien).
(Christoph Fuchs)
Die Serie Collaboartions wurde von der Idee eines grenzübergreifenden Dialogs getragen. Alle Arbeiten wurden mit den abgebildeten Künstlern gemeinsam konzipiert. Diese Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit Joseph Beuys realisiert. Die Arbeiten der Serie zeigen nicht nur eine besondere, werkübergreifende Haltung von Künstlern, sondern veranschaulichen den Zustand einer Kommunikation der Künstler untereinander. Ein Diskurs als grenzübergreifenden Dialog von Künstler zu Künstler. "Das zu den Abgebildeten Vermittelnde ist dabei nicht das Bild, sondern jeweils eine künstlerische Geste oder performative Zuwendung auf den Anderen. Die Dekonstruktion der meisten Bilder als Abkehr vom Bild, hin zu einer Vermittlung zwischen den Ausdrucksformen zweier künstlerischer Positionen. Die Arbeiten waren eine Form der Kommunikation, die ihre Verbindlichkeit in einem funktional prozessualen Kollaborieren anstatt eines prototypischen Einzelwerkes mit Vorbildcharakter suchte."
(Stephan Reusse)
Am Anfang meiner Studienzeit erzählte mir mein Professor Harry Kramer, aus seinen jungen Jahren in Paris über einen Automaten, in den man nach Einwurf von Münzen ein kleines weißes unsichtbares Foto erhielt. Dieses konnte man mit bei gelieferten Salzen und Spucke befeuchten und irgendein image zum Vorschein bringen.
Für mich sah ich in diesem Verfahren eine Öffnung von Möglichkeiten, bei Tageslicht einen öffentlichen aktionistisch/performativen Zugriff auf den fotografischen Entwicklungsprozess zu bekommen.
Nach vielen Recherchen in frühere fotografische Verfahrenstechniken, konnte ich dann mit Hilfe von Chemikern ein identisches Verfahren entwickeln, mit dem ich fortan Fotos in damals noch aufwendig hergestellten Großformaten öffentlich für Aktionen und Performances einsetzen konnte.
Auf Grundlage dieses Verfahrens entstand 1982 unter anderem auch die Serie "Collaborations". Die Arbeiten wurden von dem Gedanken eines dialogischen Prozesses zwischen zwei Künstlern getragen, bei denen das Abbild des anderen als Ausgangspunkt für einen grenzüberschreitenden Beitrag genutzt wurde.
Die entstandenen Arbeiten sollten nicht nur eine besondere werksübergreifende Haltung von Künstlern zeigen, sondern den Zustand einer Kommunikation der Künstler untereinander veranschaulichen. Ein Diskurs als grenzübergreifenden Dialog von Künstler zu Künstler, als eine Form der Kommunikation, die ihre Verbindlichkeit in einem funktional prozessualen Kollaborieren anstatt eines prototypischen Einzelwerkes mit Vorbildcharakter suchte.
1985 wurden zusammen mit Beuys auf zuvor in unsichtbare Halogensilber gewandelte Fotos eine ganze Reihe von Hüten und einige Schüttbilder mit chemischen Substanzen wieder sichtbar gemacht.
(Stephan Reusse, 13. Jänner 2023, Instagram)
